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Diphterie Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors! |
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Wilhelm läßt die Zeitung sinken und fragt den Freund beim Frühschoppen " Kennst Du Diphtherie ?" Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen "Ja, daran starben in den schlimmen Jahren vor Einführung der modernen Medikamente viele Kinder. Aber heute gibt es keine Diphtherie mehr, oder sie ist leicht auf der Intensivstation zu behandeln". "Irrtum" antwortet Wilhelm, "an ihr ist kürzlich in Langen, Kreis Offenbach ein dreijähriges Mädchen gestorben." Die Ursache der in Deutschland extrem seltenen schweren Infektionskrankheit war der Besuch von Verwandten, die zuvor auf einer Reise in Rußland waren. Die Verwandten blieben völlig frei von Krankheitszeichen, man konnte auch nachträglich keine Keime mehr feststellen. Vermutlich waren sie nur vorübergehend Bakterien-Träger und hatten per Tröpfchen-Infektion, also durch beim Sprechen in winzigen Wassertröpfchen übertragene Keime, das Kind infiziert.
Selbst bei dem hohen medizinischen Niveau der großen Krankenhäuser der Bundesrepublik Deutschland können Erkrankte an dieser vermeintlichen Kinderkrankheit sterben. So geschah es im Herbst 94 mit einem kirgisischen Touristen, der aus einer Region kam, die vermehrt im Blickpunkt der Seuchenmediziner liegt. Seit 1990 wurden in den Nachfolgestaaten der UdSSR zahlreiche Diphtheriefälle gemeldet, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Allein im Gipfel der Erkrankungen in Rußland wurden 1994 über 40.000 Fälle gezählt. Auch die anderen Staaten der GUS wurden zunehmend betroffen, so daß zwischenzeitlich selbst die Stadt Alma Ata komplett abgeriegelt war. 1995 lag die Erkrankungszahl in der gesamten GUS bei 50.000 und insgesamt sind in den vergangenen fünf Jahren bis 1997 140.000 Fälle berichtet worden. Es handelt sich also um ein ernstes Problem. Wir haben keinen Grund uns nach dem Motto "Wenn in fernen Ländern die Völker aufeinanderschlagen.." zufrieden zurückzulehnen. Vor Beginn der nun schon acht Jahre lang wütenden Seuche bestand in der GUS ein ebenso geringer Impfschutz wie aktuell in Westeuropa. Nur wenige Erwachsene haben sich nach den meistens in der Kindheit durchgeführten Grund-Immunisierungen wiederimpfen lassen. Glücklicherweise kam es nicht zu massenhafter Infektion bei uns. Die nötige Zahl an massiv Keime ausscheidenden Infizierten und Kontakte mit für Diphtherie empfänglichen Personen in der BRD wurde noch nicht erreicht. Das kann sich aber schnell ändern. Wenn zum Beispiel bei der "Love Parade" in Berlin genügend Abwehrgeschwächte auf Keim-Ausscheider treffen, wäre das Desaster da und würde sich in Windeseile über die ganze Republik und die Nachbarländer ausbreiten. Zur Zeit haben wir nur sporadische Meldungen über Hauterkrankungen durch Diphtherie, die aus den Tropen und Subtropen eingeschleppt wurden. Meistens wurde erst nach längerer Zeit die Ursache des ungewohnten Krankheitsbildes erkannt und entsprechend behandelt. Die Gefahr besteht hier nicht nur für den Patienten, sondern auch für seine Umgebung, da laufend Keime ausgeschieden werden. Die Behandlung durch Antibiotika mit Abtöten der Diphtherie-Bakterien ist aber nur die erste Maßnahme. Viel wichtiger ist die sofortige Gabe von Antitoxin, einer Substanz, welche das Gift der Bakterien neutralisiert und somit die tödlichen Zerstörungen am Gewebe verhindert. Wenn die Giftstoffe ins Blut gelangen, lagern sie sich an Zellen im Herzen, der Nieren oder der Nerven an und vernichten sie. Daher sollte man die alle zehn Jahre empfohlene Auffrischungs-Impfung gegen Wundstarrkrampf mit einer Impfung gegen Diphtherie kombinieren. Bei Erwachsenen, sowie bei Kindern ab sechs Jahren wird eine wesentlich geringere Dosis wie bei Kindern im Vorschulalter injiziert, man darf daher den Impfstoff nicht verwechseln.
Da Diphtherie durch Tröpfchen-Infektion übertragen wird, ist sie besonders im Winter gefährlich, wenn viele Leute auf engem Raum zusammen sind. Man stößt beim Reden, Husten, Niesen und Lachen winzige Tröpfchen aus, die durch den Raum schweben und Keime enthalten. Regionen, die immer wiederkehrend Diphtherie-Fälle aufweisen, sind gegen einen massiven Seuchenzug weniger anfällig, da hier rund ein Prozent der Bevölkerung gesunde Keim-Ausscheider sind, während der Großteil der Menschen immun gegen diese Bakterien ist. Bei uns ist die Ansteckungszahl der mit starker Keimzahl konfrontierter Personen relativ hoch und beträgt bis zu zwanzig Prozent. Schon zwei bis drei Tage später beginnt die Krankheit mit den unverdächtigen Erscheinungen einer Erkältung, wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerz, seltener Erbrechen und Fieber. Allerdings verschlechtert sich der Allgemeinzustand sehr schnell. Beim Blick in den Rachen bemerkt man typische grauweißliche, nicht abwischbare Beläge auf den Mandeln, die auch auf den Rachenhintergrund und den Gaumen übergreifen können. Bei dreißig Prozent der Kranken riecht es süßlich-faulig. Typisch sind die geschwollenen Lymphknoten hinterm Unterkiefer, die im Volksmund Drüsen genannt werden. Nun muß der Doktor sofort handeln, denn wenn die grauweißen Beläge sich schnell großflächig im Rachen, der Nase und den Atemwegen ausbreiten, wird es lebensgefährlich. In diesen Auflagerungen wird von den Bakterien reichlich Giftstoff produziert, das durch die unter den Krusten bestehenden Wunden schnell in den Blutkreislauf gelangt und die Organe, besonders Herz und Kreislauf schädigt. Maligne Diphtherie wird die schwerste Form dieser Vergiftung genannt, hier stirbt jeder zweite Patient. Meistens tritt in der zweiten bis dritten Krankheitswoche eine Herzmuskel-Entzündung auf und führt zum Tode, sonst häufig zu bleibenden Schäden. Die frühzeitige Diagnose aufgrund des Krankheitsbildes ist somit entscheidend für den Erfolg der sofort einzuleitenden Behandlung. Nur mit umgehender Gabe von antitoxischem Diphtherie-Serum wird das im Blut kreisende Gift abgefangen. Schon an Zellen im Herzen, der Nieren oder der Nerven angelagerte Toxine können nicht mehr unschädlich gemacht werden und zerstören die Zellen dieser Organe. Gleichzeitig zum Serum verabreicht man hochdosiert ein Antibiotikum, wie Penizillin oder Erythromycin, um die Keime abzutöten. Bei der Impfung wird ein abgeschwächtes Gift zugeführt, das den Körper zum Bilden von Gegengift anregt. Erwachsene müssen alle zehn Jahre die Impfung wiederholen lassen, um den Schutz zu erhalten, sie erhalten weniger Impfstoff als Kinder bis sechs Jahre.
Jeder, der eine Reise in die GUS plant, sollte sich gegen Diphtherie
impfen lassen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bei nicht
geimpften, oder Personen ohne Impfausweis, zwei Impfungen im Abstand
von vier bis sechs Wochen, sowie eine dritte Injektion sechs Monate
bis ein Jahr nach der zweiten Spritze. Falls vergangene Impfungen
mehr als 10 Jahre zurückliegen, aber sicher zwei Injektionen
verabreicht wurden, genügt eine einmalige Auffrischung. Das im August 1997 in Hessen erkrankte Kind wurde schon am nächsten Tag mit Penizillin behandelt, aber erst am übernächsten Tag wegen sich schnell verschlechterndem Allgemeinzustand in eine Klinik gebracht. Dort wurde gleich der Verdacht auf Diphtherie geäußert und ein Abstrich entnommen, aber erst zwei Tage später das Gegengift verabreicht. Am sechsten Krankheitstag verstarb das Dreijährige. Schon beim Verdacht auf Diphtherie soll das Gegengift gegeben werden und ein Nasen- und Rachenabstrich entnommen werden. Kontaktpersonen sind auch vorbeugend mit Penizillin zu behandeln. Vermutlich wurden die Bakterien von einer Tante oder derem Kind übertragen, die vorher den Raum Königsberg, eine Hochburg an Diphtherie-Erkrankungen, besuchten. |
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