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"Nur Fliegen ist schöner" - Aber wie sieht es bei Vorerkrankungen aus? Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors! |
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Wenn sich der stählerne Vogel in die Lüfte erhebt, kommt es zu einer Reihe von physikalischen Veränderungen, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Diese sind bei gewissen Krankheiten zu beachten. Die Luft ist in der üblichen Flughöhe von rund 10.000 Metern dünn, weshalb in der Kabine ein erhöhter Druck aufrecht erhalten wird, der einem Luftdruck in 2.000 Meter Höhe entspricht, außerdem wird Sauerstoff zugeführt. Der Sauerstoffdruck ist ca. 15 - 20 Prozent niedriger als auf festem Boden. Die Frischluftzufuhr ist in der Ersten Klasse am höchsten, in der "Holzklasse", den billigen Economy-Buchern am geringsten. Falls es während des Fluges zu Notfällen kommt, sind es meistens Herz und Kreislauf, während Bauchbeschwerden und Schmerzen nur 8 bis 10 Prozent ausmachen. Bei knapp der Hälfte meiner Flüge mußte ich ärztliche Nothilfe leisten, dabei kommt man oft ins Schwitzen, weil diagnostische Hilfsmittel und Medikamente fehlen. Dies sollte jetzt besser sein, da seit Sommer 1999 eine EU-Richtlinie allen Flugzeugen, die Flughäfen in der EU anfliegen, eine relativ gut ausgestattete Bordapotheke vorschreibt. Ich mußte allerdings noch im Oktober 99 bei einer US-Fluglinie über Lautsprecher-Durchsage ein wirksames Kreislauf-Mittel von Mitreisenden erbeten. Glücklicherweise wird es häufiger von Damen gebraucht und kam umgehend, so daß ich der betagten Dame mit Kreislaufbeschwerden dann helfen konnte. Das Flugzeug war bis auf den letzten Platz ausgebucht, die Dame mußte im engen Gang gelagert werden. Was wäre bei einem akuten Herzinfarkt bloß geschehen? Fazit, man soll sich bei bestehenden ernsten Vorerkrankungen vom behandelnden Arzt die Flugtauglichkeit bestätigen lassen und ev. vorbeugend auch entsprechende Medikamente griffbereit mitführen. Was kann denn so auftreten? Der Gesunde wird eine Verringerung des Sauerstoffs im Blut auf 90 Prozent der üblichen Werte kaum bemerken, der Kranke allerdings eine Absenkung auf 85 Prozent erleben, die seine vorher eben ausreichende Sauerstoff-Zufuhr ins Gewebe ins Minus umkehrt. Schließlich entspricht das einem Aufenthalt in einer 4.000 Meter hohen Bergregion. Die Be- oder Entlastung der Herzkammern ist unterschiedlich, der Druck in der Lungenarterie vom rechten Herzteil zur Lunge steigt, während die Linksherz-Belastung sinkt. Daher sind Kranke mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Hochdruck, Fehlern der Herzklappe zu Aorta und Herzmuskel-Erkrankung beim Fliegen im allgemeinen weniger belastet. Sie plagt eher der Streß rund ums Einchecken, sollten also eine Stunde mehr einplanen, um gelassen alle Hindernisse bis zum Flugzeug zu umsteuern. Anders sieht es bei bestehender Erkrankung der rechten Herzkammer aus. Chronisches Cor pulmonale, Herzfehler mit bläulicher Haut und Hochdruck der Lungenarterie sind zunehmender Belastung beim Flug unterworfen und sollten im Bedarfsfall unbedingt Sauerstoff zur Verfügung haben. Gegebenenfalls bei der Fluggesellschaft nachfragen, ob Sauerstoff-Flaschen an Bord sind, eigene Geräte dürfen wegen der Explosionsgefahr nicht mit an Bord genommen werden.. Ist frisch ein Eingriff am Herzen erfolgt, wie Ballon-Dilatation der Herz-Kranz-Gefäße, Bypass oder Stent, besteht für zwei Wochen Flugverbot. Herzinfarkt bedeutet 3 - 6 Wochen Landaufenthalt; vollständiges Flugverbot ist geboten bei immer wiederkehrenden Herzschmerzen (instabile Angina pectoris), sich wiederholendem, von der Kammer ausgehendem Herzjagen oder stärkerer Herzinsuffizienz im Stadium IV. Die Anwendung von krampflösenden Nitraten muß umsichtig erfolgen, sie können in der Höhe einen Kreislauf-Kollaps auslösen. Erste Hilfe bei Herz-Kreislauf-Beschwerden im Flugzeug bedeutet also: Zunächst den Patienten hinlegen, dann Sauerstoff geben, dann eventuell Nitrat anwenden. Wie sieht es bei Lungenerkrankungen aus? Hier sollte eine Blutgas-Analyse vor dem Flug klären, wie hoch der Sauerstoff-Partialdruck liegt. Ergibt er nur Werte von 60 mm Hg, wie es bei einer einengenden Bronchitis vorkommt, so ist im Flugzeug ein weiteres Absinken unter 50 mm Hg zu erwarten, was zu Sauerstoffmangel führen kann. Auch hier soll man bei der Fluglinie nachfragen, ob im Notfall Sauerstoff-Flaschen zur Verfügung stehen. Patienten mit starker Lungenblähung (Emphysem) oder Rippenserien-Frakturen sind fluguntauglich. Darm-Blähungen können die Atmung weiter einschränken, daher sollten Lungenkranke mit entsprechenden Mittel vorbeugen, leichte Kost zu sich nehmen und im Flugzeug öfter umhergehen. Insulinpflichtige Zuckerkranke sollten insgesamt die Grenzwerte für Blutzucker etwas erhöhen und statt 100 mg/dl dann 150 mg/dl akzeptieren. Dies bedeutet bei variabel spritzenden Patienten mit intensivierter Insulin-Therapie eine Verringerung der Insulin-Dosis vor dem Essen um 2 IE. Bei Flügen nach Westen spritzt man zusätzlich 1/12 der abendlichen Abenddosis pro Stunde Zeitverschiebung. Das bedeutet von Frankfurt nach San Franzisko bei neun Stunden Zeitverschiebung zusätzlich 9/12 der abendlichen Insulin-Dosis. Bei Flügen nach Osten verkürzt sich der Tag, hier verringert man die abendliche Dosis um 1/12 der normalen Dosis pro Stunde Zeitverschiebung. Patienten mit fester Insulin-Dosis sollten am Reisetag die Gabe etwas reduzieren und alle vier Stunden eine Blutzucker-Kontrolle vornehmen, um eventuell die nächste Dosis dementsprechend zu steigern oder zu verringern. Wer nur Tabletten gegen erhöhten Blutzucker einnimmt sollte die Dosis um ein Drittel zu verringern - wenn diese Mittel eine Unterzuckerung erzeugen können. Dann aber soviel wie möglich trinken und Diabetes Diät einhalten. Generell gilt zur Ernährung ein Tip für Flugreisende: Bestellen Sie vorher ein vegetarisches Mahl, es schmeckt meistens besser, da es aus der asiatischen Küche stammt und belastet auch den Organismus weniger. Taucher dürfen nicht gleich vom Tauchen mit Flaschen in das Flugzeug. Bei Tauchgängen bis 10 Meter Tiefe sollten 12 Stunden, bei mehr als 10 Meter unter Wasser sollten 24 Stunden bis zum Abflug liegen. Nach Langstrecken-Flügen ist durch die Kombination von Sauerstoff-Abnahme und Reisestreß für einen Tag die Immunabwehr geschwächt, man sollte also zumindest hier die goldene Regel zur Vermeidung von nahrungsbedingten Erkrankungen einhalten: "Cook it, peel it or forget it" - Nur gekochte Mahlzeiten, Obst nur geschält, sowie strenge hygienische Vorbeugung üben. Erkältungen drohen immer, da reichlich Keime von Mitreisenden durch die zirkulierende Luft umgewälzt und an den Mann/Frau gebracht werden, dazu gibt es teils unangenehme Zugerscheinungen durch einstellbare und nicht einstellbare Luftdüsen. Wer zu grippalen Infekten neigt, sollte warme Strümpfe, eine leichte Jacke und auch Kappe im Handgepäck mitführen. Oft bläst es garstig auf den Kopf - gelegentlich auch von Mitreisenden gezielt. So erging es mir einmal, als eine übelwollende, hinter mir sitzende Frau das Kippen der Rückenlehne beim Langstrecken-Flug als persönliche Beleidigung hinnahm und sich mit gezieltem Luftstoß aus "ihrer" Düse rächen wollte. Ihr weiteres Pech bestand darin, daß ich die vorgeschriebene signalrote Jagdmütze in warmem Fleece für eine Jagd in Colorado im Handgepäck hatte. So schlummerte ich gut geschützt gar friedlich, während sie wutentbrannt auch noch die grelle Farbe mit ansehen mußte. RvM | |