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Malaria
Müde kommt Hans ins Haus, die Glieder schmerzen, der Schädel
brummt, er bietet ein Bild des Jammers. Seine Frau hilft ihm auf die
Couch, aber er fühlt sich selbst zum Zeitunglesen zu schlapp.
Eine Stunde später fröstelt er und beschließt, den
Notarzt kommen zu lassen.
Der Medikus untersucht den Patienten, kann aber keine wesentlichen
Hinweise für eine schwere Erkrankung entdecken und begnügt
sich mit der Diagnose "Sommergrippe" und der entsprechenden
Therapie. Falls es sich nicht bessere, solle er morgen den Hausarzt
aufsuchen. Als er das Haus verlassen will, hält ihn die Ehefrau auf.
"Meinen Sie, es könnte mit der Reise meines Mannes nach
Simbabwe vor drei Wochen zusammenhängen ?" Nun reagiert der
Arzt ungehalten " Ja, warum haben Sie mir das nicht eher
erzählt ?".
Er nimmt einen Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen ab, verstreicht
ihn auf einem Glasträger und bringt ihn ins Labor. Eine halbe
Stunde später steht der Krankenwagen vor der Tür und bringt
Hans auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus. Malaria lautet die
Diagnose, und Eile ist geboten, es besteht der Verdacht auf die
gefährlichste Form, Malaria tropica genannt.
Gut, daß die Ehefrau dem Arzt den entscheidenden Hinweis gab.
Leider werden viele Erkrankungen bis zur Klärung der Diagnose
verschleppt, so daß unverhältnismäßig viel
Patienten sterben.
Mit rund 1.000 Erkrankungsfällen, davon 30 Todesfällen, im
Jahr ist Malaria in der Bundesrepublik die gefährlichste,
eingeschleppte tropische Infektionskrankheit. Weltweit gibt es zirka
300 Millionen Malaria Erkrankte mit etwa drei Millionen
Todesfällen pro Jahr.
Früher war Malaria auch in Mitteleuropa bis in die rheinische
Tiefebene weitverbreitet und kam vor allem in Sümpfen vor. Das
brachte der Erkrankung auch den Namen bei. Die feuchtschwülen
Dämpfe sollten die Erkrankung verursachen, folglich wurde sie
"Mala Aria", Schlechte Luft, genannt.
Selbst 1945 gab es nahe Hamburg eine kleine Malariaepidemie, bei der
die Krankheit weiter übertragen wurde. Im "Alten Land",
einem sumpfigen Marschgebiet südlich der Elbe, waren in einem
Kriegsgefangenenlager deutsche Landser interniert, die vom Aufenthalt
in Südrußland her malariainfiziert waren. Im heißen
Sommer 1945 übertrugen Anophelesmücken die Erkrankung in
die Umgebung. 1946 kam es aus dem gleichem Grund auch in Berlin zu einer
Malariaepidemie.
Immer wieder kommt es zum Auftreten von sogenannten
"Airport-Malaria-Fällen". Dabei werden Personen, die
nie im Ausland waren, aber im Umkreis von Flughäfen wohnen, von
eingeschleppten, infizierten Mücken gestochen und erkranken an
Malaria. Eine schwierige Diagnose für den behandlenden Arzt, der
natürlich nicht im Traum an eine Tropenkrankheit
denkt!
Die Erkrankung wird durch Parasiten verursacht, die durch den Stich
einer infizierten Anophelesmücke übertragen werden.
Allerdings sticht lediglich die weibliche Anophelesmücke, die
sogar in unseren Breiten sechzig Prozent der Mücken stellt und
nur nachts auf der Suche nach Blut ist. Man kann leicht erkennen, ob
die gegebenenfalls mit Blut vollgesogene Mücke an der Wand eine
Anopheles ist und somit nach einem Stich in malariaverseuchten
Regionen Infektionsgefahr besteht.
Ganz typisch ist die Form, die wie ein schräg in der Wand
steckender Pfeil aussieht. Stechrüssel und Körper sind in
einer Linie angeordnet. Andere Mückenarten sitzen parallel zur
Unterlage, ihr Kopf knickt zur Wand hin ab.
Allerdings werden nur 60 der rund 400 bekannten Anophelesarten als
Überträger der Malaria angesehen.
Anophelesmücken dienen als Zwischenwirte. In ihrem Speichel
leben die verschiedenen Arten der parasitären Einzeller, die
Plasmodien genannt werden. Zunächst verläuft die Erkrankung
ohne Beschwerden, während der die Einzeller verschiedene
Entwicklungsstadien im Blut und den Leberzellen durchlaufen.
Nach 10 bis 35 Tagen, selten frühestens nach einer Woche,
beginnen leichte bis starke grippeähnliche Erscheinungen, wie
Gliederschmerzen, Übelkeit, auch Durchfall.
Dies kennzeichnet das Ausschwärmen der Merozoitenphase der
Plasmodien, die aus den Leberzellen kommend die roten
Blutkörperchen befallen.
Erst dieses Stadium der Malariaerreger wird von den eingenommenen
Vorbeugungsmitteln beeinflußt. Fieberschübe treten erst
auf, wenn der massenhafte Befall von roten Blutkörperchen zu
deren Zerfall führt. Im klassischen Bild des Lehrbuchs erscheint
diese Phase als massiver
Schüttelfrost bei hohem Fieber bis 41 Grad, der im 48 bis 72
Stundenrhythmus vorkommt. Leider ist dieses Symptom erst nach einer
Woche ausgebildet und meistens nicht so deutlich ausgeprägt.
Der Grund liegt in der Unterschiedlichkeit der Erreger. Die
gefährlichste Form ist die, durch das Plasmodium falciparum
übertragene Malaria tropica:
Schon nach 6 Tagen können die Erkrankungserscheinungen
auftreten. Heftige Beschwerden wie Mattigkeit, Übelkeit, Kopf-,
Muskel- und Gliederschmerzen, sowie gelegentlich starke
Durchfälle sind die Vorboten. Es kommt dann zu einem langsamen
Fieberanstieg mit Schüttelfrost, der kontinuierlich bis zu 12
Stunden anhalten kann, häufig aber mit Abflauen und Anstieg
zweigipflige Fieberkurven zeigt.
Schwere Verläufe bieten gelegentlich nur einen geringen
Fieberanstieg, es kann zur Beeinträchtigung einzelner Organe mit
entsprechenden Symptomen am Herz, an der Galle, am zentralen
Nervensystem und am Magen-Darm-Trakt kommen.
Im bösartigsten Verlauf wurde früher die Malaria tropica
mit dem Namen Schwarzwasserfieber sehr treffend bezeichnet. Es kommt
in diesem Fall durch den extrem hohen Zerfall der roten
Blutkörperchen zum Nierenversagen.
Daher ist die frühestmögliche Stellung der Diagnose bei
jedem unklaren Fieber während oder nach Aufenthalt in einem
Malariagebiet so wichtig.
Die typischen Fieberanfälle werden meistens bei den gutartigeren
Malariaformen beobachtet, wie bei der Malaria tertiana:
Sie kommt nach 9 bis 16 Tagen mit unspezifischen Erscheinungen wie
Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Kopfweh und leichtem Fieber bis
38,5 ° C zum Vorschein. Nach drei bis vier Tagen manifestiert
sich der Schüttelfrost in der typischen Form des Malariaanfalls
mit klappernden Zähnen bei heftigen Schweißausbrüchen
und hohem Fieber, das nach sechs bis zwölf Stunden wieder
völlig verschwunden ist. Die Fieberanfälle kommen alle 48
Stunden wieder und können sich in abnehmender Stärke bis zu
zwanzigmal wiederholen. Unbehandelt
können die Anfälle in leichter Ausprägung nach Wochen
oder Monaten wieder auftreten. Nur selten kommen Todesfälle bei
Malaria tertiana vor.
Für die Malaria quartana gilt: Beginn nach 20 bis 40 Tagen mit
Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Kopfweh und leichtem Fieber. Drei
Tage später tritt Schüttelfrost und steiler Fieberanstieg
auf. Das Fieber dauert länger und wird von zwei fieberfreien
Tagen gefolgt. Unbehandelt können bis zu 20 Anfälle
erfolgen, dann erlischt die Krankheit, kann aber noch nach Jahren
wieder aufflackern. Todesfälle sind extrem selten.
Die Plasmodien durchlaufen im Körper mehrere Entwicklungsstadien
und sind überwiegend erst im letzten Stadium, wenn sie aus den
Leberzellen in die Blutbahn eindringen und dort die roten
Blutkörperchen befallen, empfindlich gegen die schützenden Medikamente.
Leider sind die Erreger in den letzten Jahrzehnten gegen die meisten
Malariamedikamente unempfindlich geworden, so daß bei
spezialisierten Instituten nach der neuesten Empfehlung für das
zu bereisende Land gefragt werden muß. Allerdings gibt es keine
allgemeingültigen Empfehlungen, jeder Arzt steuert seine eigenen
Erfahrungen mit bei, so daß Sie unterschiedliche
Ratschläge bekommen können.
Die Wichtigkeit der medikamentösen Vorbeugung belegt die
Statistik. So ergab die Auswertung der in Deutschland von 1979 bis
1988 aufgetretenen Malariafälle daß von den Patienten ohne
vorbeugende Medikamenteneinnahme 5,4 Prozent verstarben gegenüber
2,3 Prozent bei regelmäßiger Tabletteneinnahme. Noch
wichtiger ist der frühzeitige Behandlungsbeginn. Wurde die
gefährlichste Form, Malaria tropica, innerhalb der ersten
fünf Tage behandelt, starben nur 0,6 Prozent, wurde die
Behandlung aber um zwei bis drei Wochen hinausgezögert,
verstarben knapp 17 Prozent. Insgesamt ergab die Auswertung des
Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Schleswig Holstein ein
Ansteigen der Infektionen durch Plasmodium falciparum, die Erreger
der Malaria tropica, von 30 auf 70 Prozent. Trotz der zunehmenden
Resistenzen gegen Malariamedikamente sank die Todesrate von zehn auf
3,3 Prozent der Erkrankten.
Die Vorbeugung während und nach einer Reise ist daher so
wichtig. "Harte Männer", die keine Mittel schlucken zu
brauchen, sind gelinde gesagt sehr unklug.
Von der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die verschiedenen
Weltregionen nach der Widerstandsfähigkeit der Erreger gegen die
gängigen Vorbeugungsmedikamente in die Klasse A, B und C eingeteilt.
In der Zone A : Mittelamerika, Ägypten, arabische Halbinsel,
Türkei, Nordpakistan, Nordchina, Mauritius genügt die
Einnahme von zwei Tabletten Chloroquin ein oder zweimal pro Woche.
In der Zone B : Südamerika, Asien außer Hinterindien und
Indochina sollte man zusätzlich zur Routineeinnahme von
Chloroquin eine bis zwei Tabletten Paludrine täglich einnehmen.
Paludrine ist ein englisches Präparat und muß über
die Apotheke bestellt werden. Rechnen Sie vier Wochen Lieferzeit bei
Ihren Reisevorbereitungen ein.
Zusätzlich sollten Sie ein Reservemedikament, welches garantiert
gegen einen Malariaanfall wirkt, mitführen. Zur Zeit ist dies
Mefloquin mit dem Handelsnamen Lariam. Leider werden bei Mefloquin
häufig massive Kopfschmerzen, Depressionen und
Schlafstörungen als Nebenwirkungen beobachtet, es eignet sich
daher weniger zur vorbeugenden Einnahme.
In der Zone C : West-, Zentral- und Ostafrika, Amazonasregion,
Hinterindien, Indochina sind die Erreger nur noch gegen Lariam
empfindlich, es wird nun von der WHO für diese Region auch als
Vorbeugungsmittel empfohlen.
Damit kommt man in einen Konflikt zwischen Schutz und Nebenwirkung.
Man sollte sich schon zwei Wochen vor der Reise zur Einnahme von
Lariam entschließen, um rechtzeitig eine Unverträglichkeit
zu entdecken. Persönlich nehme ich auch in Zone C Chloroquin mit
einer halben Tablette am Tag und Paludrine mit zwei Tabletten pro Tag
als Vorbeugung und führe Lariam als Reserve zur
Notfallbehandlung mit, obwohl in meinem bevorzugten Reiseland
Kamerun neunzig Prozent der Malariafälle auf die
gefährlichste Form Malaria tropica zurückzuführen
sind. Natürlich mit konsequentem Schutz vor Stichen durch
entsprechende Kleidung / Moskitonetz!
Die Zoneneinteilung ändert sich wegen der zunehmenden
Resistenzen, fragen Sie bitte bei Ihrem tropenerfahrenem Arzt bei der
Reiseplanung nach den neuesten Empfehlungen und lassen Sie sich
detailliert über Nebenwirkungen informieren.
Das Wichtigste ist die weitere Einnehmen der Medikamente über
sechs Wochen nach dem Verlassen des Malariagebietes, da leider die
Medikamente nur auf die Plasmodienformen, die sich in der Leber in
einigen Wochen entwickelt haben und dann ausgeschwärmt sind,
wirken können. Die anderen Vorstufen, die nach dem Stich sowie
in der Leberzelle vorkommen, werden von den Medikamenten nicht
beeinflußt. Sie können also korrekt alle Medikamente
eingenommen haben, aber nach Ihrer Rückkehr erkranken, wenn Sie
die Tabletten zu früh absetzen, da Sie den Erreger in der
Leberzelle bewirten.
Vorsicht ist bei der Einnahme anderer Medikamente wie Antirheumatika,
Sulfonamide, Trimethoprim geboten. Diese blockieren teilweise die
Aufnahme von Chloroquin. Auch bei Durchfall "rauscht"
Chloroquin durch, also soll man vorsichtshalber die Einnahme am
nächsten Tag wiederholen.
Chloroquin wird bei uns als Präparat Weimerquin zu DM 11,79
für 50 Tabletten und als Resochin zu DM 28,03 für 50
Tabletten verkauft.
Inzwischen wird auch Halfan zur Behandlung angeboten, allerdings gibt
es etliche warnende Meldungen über häufige Nebenwirkungen,
besonders Herz-Rhythmusstörungen, sogar Todesfälle.
Sehr wichtig ist die allgemeine Vorbeugung. Dabei ist die erste Stufe
ein weitgehender Schutz durch langärmelige Kleidung mit langen
Hosen, die in knöchelhohem, geschlossenem Schuhwerk stecken, und
als zweite Stufe Einreibung der freiliegenden Haut mit Repellents,
sowie als dritte Stufe ein dichtes Moskitonetz über dem Bett.
Da Anophelesmücken nur nachts stechen, reibe ich mich mit
Repellent, insektenabweisenden Mitteln, ein, trage spezielle
Mückenschutzkleidung bei nächtlichen Ausflügen im
Busch und führe ein leicht zu installierendes Moskitonetz mit
mir. Das beste ist das Netz der amerikanischen Armee mit
Zweipunktbefestigung. Eine Leine kann man fast immer auch im
Hotelzimmer spannen und daran das Netz befestigen. Man sollte sich
vor der Reise ausreichend Schnur an die Bänder des Moskitonetzes
binden, zwei Holzstäbe für dieses Zweipunktnetz und
eventuell zwei Gummisauger mit Haken zum Anbringen der Spannschnur an
Spiegel oder Fensterglas einstecken.
Die gängigen Repellents enthalten DEET, wie
Diäthyl-m-Toluamid abgekürzt wird. Es wurde in den
Forschungslabors der US-Armee vor 40 Jahren entwickelt und ist immer
noch unschlagbar in seiner Wirkung gegen Mücken, Schnaken,
Zecken und viele andere Insekten. Üblich sind 30 prozentige Lösungen.
Vorsicht beim Auftragen: Schleimhäute reagieren mit starkem
Brennen, also fernhalten von den Augen, dem Naseninneren und anderen
Schleimhäuten. Die letzte Entwicklung von 3M in einer
Polymerbindung wird in den USA unter dem Namen Ultrathon verkauft und
gewährt zwölfstündigen, schonenden Schutz.
Kanadareisende kennen DEET unter dem Namen Muskol mit 25 prozentiger Lösung.
Permethrin ist ein Pyrethroid, ein verwandter Stoff zu den aus
Chrysanthemen extrahierten Pyrethrumwirkstoffen. Einige
Wissenschaftler warnen vor ihm, da er sich unwiderruflich an
Nervenfasern anlagern soll. Der bekannte und seriöse
Wissenschaftler Professor Szadkowski vom Zentralinstitut für
Arbeitsmedizin der Universität Hamburg hat allerdings 1994 in einer
Publikation im Deutschen Ärzteblatt festgestellt, daß
für den beruflichen Einsatz von Pyrethroiden kein erhöhtes
akutes oder chronisches Gesundheitsrisiko erkennbar sei.
Es kann bei Fehlanwendung mit Überdosierung zu örtlichen
Reizungen an der Haut mit vorübergehenden Unempfindlichkeiten
und zu allgemeiner Störung des Zentralnervensystems kommen.
Diese Effekte sind aber nur vorübergehend, dauernde
Giftwirkungen beim Menschen sind in der serösen Wissenschaft
nicht bekannt. Auch im Langzeitversuch am Tier mit hohen
Pyrethroidgaben verschwanden die Störungen im peripheren
Nervensystem nach dem Absetzen.
Trotzdem sollte man Permethrin nie auf die Haut auftragen, da es
durch diese mit bis zu zwei Prozent aufgenommen wird.
Gebräuchliche Pestizide werden um ein Vielfaches stärker
durch die Haut resorbiert. Laien sollten Pyrethroide nicht anwenden.
Damit fällt auch das gelegentlich empfohlene Aufsprühen von
Permethrin auf Kleidung oder Moskitonetz aus Sicherheitsgründen weg.
RvM |