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Die schwarze Pest
Viele Jägersleute reisen gern und verfolgen mit Interesse die
Informationen zum gesundheitlichen Umfeld; nun kommen neue
Schreckensmeldungen über Seuchenzüge aus dem Ausland. Man
dachte, diese Erkrankungen wären im Zwanzigsten Jahrhundert
nicht mehr wichtig, doch die Probleme der wachsenden
Überbevölkerung und des teilweisen Zerfalls der staatlichen
Strukturen lassen die Schreckensgespenster aus dem medizinischen
Gruselkabinett wieder auferstehen.
So kam im September 1994 eine Horrormeldung aus Indien, dort waren
zunächst in der im Westen gelegenen Stadt Surat gut 100 Personen
schwer an der Beulenpest erkrankt. Insgesamt sollen 8.000 Personen
infiziert sein. Die schwerste Form tritt als Lungenpest auf und
führt in kürzester Zeit zum Tod. Zig tausend Einwohner
flohen in Panik ins naheliegende Bombay und in andere Städte des
Subkontinents. Dabei wurde von bereits infizierten Personen die Pest
weiter verschleppt, wie es bei uns im Mittelalter geschah. Selbst im
weit entfernten Kalkutta wurden akut an Pest erkrankte Inder in die
Krankenhäuser eingeliefert.
Die Behörden vermuten, daß der Infektionsweg über
Wanderarbeiter aus dem Bundesstaat Maharashtra geht. Dort waren in 13
Dörfern Erkrankungen an Beulenpest aufgetreten.
Eine besonderes Licht auf die Tapferkeit und vor allem den
Wissenstand der Ärzte und des medizinischen Hilfspersonals wirft
die Tatsache, daß viele einheimische Ärzte und auch
medizinisches Hilfspersonal in Panik ihre Posten verließen und
das Weite suchten, statt den Kranken beizustehen. Dies ist eigentlich
kaum verständlich, da bei ausreichender Verfügbarkeit von
Standardantibiotika die Pest leicht unter Kontrolle zu halten ist.
Das Reservoir für die Pest sind infizierte Flöhe von
Nagetieren, besonders Ratten. Die normale Rattenpopulation ist
relativ immun gegen die Pestbakterien, so können die infizierten
Flöhe weiterleben. Kommt es aber durch eine Naturkatastrophe,
Futtermangel oder bei starker Vermehrung zu Wanderbewegungen der
Nager, werden andere Ratten angesteckt, die nicht immun sind. Von
diesen sterben viele Tier, die infizierten Flöhe suchen neue
Wirte und wechseln auf den Menschen, der dann erkrankt.
Selbst im hochzivilisierten Nordamerika kommen immer wieder Fälle
an Beulenpest vor.
Dort sind fast immer die Flöhe der possierlichen
Erdhörnchen, auch Präriehunde genannt, der Träger der
lebensgefährlichen Erkrankung. Im südlichen Bundesstaat New
Mexico infizieren sich jährlich bis zu zwölf Menschen. Die
Erreger werden jedoch üblicherweise früh iagnostiziert und
dementsprechend mit einem passenden Antibiotikum schon im
Anfangsstadium abgetötet. Meistens werden die
Überträger von den Haustieren eingeschleppt, wobei
überwiegend Hunde die infizierten Flöhe aus der Prärie
mitbringen. Haben die Flöhe bei ihrem Biß den Erreger
übertragen, können die Yersiniabakterien sich als langsame
Beulenpest oder als rasant ablaufende Lungenpest entwickeln.
Bei der Beulenpest können die befallenen Lymphknoten bis zu
Faustgröße anschwellen. Die Erkrankung erhält oft
auch den Namen "Schwarze Pest", dies ist durch ausgedehnte,
schwarz erscheinende Blutungen unter die Haut bedingt.
Ist die Krankheit aus dem tierischen Reservoir der Nagetiere in die
menschliche Bevölkerung geraten, geht sie leicht in die
gefährliche Form der Lungenpest über. Hierbei kommt es
durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch zu direktem Befall
der Lungen. Beim Sprechen und Husten werden winzige Eiterpartikel mit
lebendigen Yersiniakeimen als unsichtbare schwebende Tröpfchen
in die Luft geschleudert, die dann von anderen Personen eingeatmet werden.
Die Erkrankung an der Lungenpest verläuft rasend schnell. Meist
verstreichen nur 48 bis 72 Stunden bis zum Auftreten eines sehr hohen
Fiebers um 39 bis 41 Grad Celsius. Gleichzeitig bestehen starke
Kopfschmerzen und oft Schüttelfrost, schnell stellt sich wegen
der massiven
Schleimhautzerstörungen der Atemwege Atemnot ein, die Haut
verfärbt sich infolge Sauerstoffmangels bläulich. Falls bei
der Lungenpest keine umgehende stationäre Behandlung erfolgt,
ist die Ansteckungsgefahr für die Umgebung extrem hoch.
Hier liegt in unterentwickelten Ländern in Slums und schlecht
versorgten Elendsgebieten die Hauptgefahr der Pest. In medizinisch
ausreichend betreuten Regionen kann man durch Gabe von gängigen
Antibiotika innerhalb der ersten 24 Stunden die Krankheit leicht
heilen. Trotzdem werden an Lungenpest Erkrankte für sechs Tage
unter Quarantäne gestellt, um die Weiterverbreitung von aktiven
Keimen aus dem Eiter der infizierten Schleimhäute zu unterbinden.
Schon in der Bibel wird die Beulenpest im Zusammenhang mit massivem
Auftreten von Mäusen erwähnt, sie grassierte im Sechsten,
Vierzehnten und Siebzehnten Jahrhundert in Europa. 1575 starben in
Venedig mehr als 46.000 Menschen. Die Wundärzte erkannten sehr
richtig, daß die Erkrankung mit dem "Pesthauch"
übertragen wurde und trugen neben Handschuhen, langen
Umhängen vor allem Pestmasken, deren lange schnabelartige Nasen
mit Kräutern gefüllt
waren.
Nach dem Siebzehnten Jahrhundert trat die Pest letztmalig als
große Epidemie Anfang dieses Jahrhunderts in Nordchina in der
Mandschurei auf.
Indien gilt als Reservoir, besonders im südlichen zentralen Teil
des Riesenlandes kommt die Pest ständig vor. Andere, wichtigere
Vorkommen liegen in Südvietnam, der Mandschurei, der Mongolei,
den im Himalaja liegenden Staaten, sowie angrenzenden GUS-Ländern
und den südwestlichen USA, Brasilien und nördlichen Andenstaaten.
Jäger sollen sich in der Mongolei und den Turk-Staaten der GUS
vorsehen und möglichst Nagetiere, auch Murmeltiere nicht
anfassen. Das Mitführen einiger starker Antibiotika empfiehlt
sich in unterentwickelten Staaten und bei Erkrankungen sollte man
lieber frühzeitig eine Antibiotika-Kur machen.
Link zu Artikel "Pest in Sambia"
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