Medizin

Pest

Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors!

Die schwarze Pest

Viele Jägersleute reisen gern und verfolgen mit Interesse die Informationen zum gesundheitlichen Umfeld; nun kommen neue Schreckensmeldungen über Seuchenzüge aus dem Ausland. Man dachte, diese Erkrankungen wären im Zwanzigsten Jahrhundert nicht mehr wichtig, doch die Probleme der wachsenden Überbevölkerung und des teilweisen Zerfalls der staatlichen Strukturen lassen die Schreckensgespenster aus dem medizinischen Gruselkabinett wieder auferstehen.

So kam im September 1994 eine Horrormeldung aus Indien, dort waren zunächst in der im Westen gelegenen Stadt Surat gut 100 Personen schwer an der Beulenpest erkrankt. Insgesamt sollen 8.000 Personen infiziert sein. Die schwerste Form tritt als Lungenpest auf und führt in kürzester Zeit zum Tod. Zig tausend Einwohner flohen in Panik ins naheliegende Bombay und in andere Städte des Subkontinents. Dabei wurde von bereits infizierten Personen die Pest weiter verschleppt, wie es bei uns im Mittelalter geschah. Selbst im weit entfernten Kalkutta wurden akut an Pest erkrankte Inder in die Krankenhäuser eingeliefert.
Die Behörden vermuten, daß der Infektionsweg über Wanderarbeiter aus dem Bundesstaat Maharashtra geht. Dort waren in 13 Dörfern Erkrankungen an Beulenpest aufgetreten.
Eine besonderes Licht auf die Tapferkeit und vor allem den Wissenstand der Ärzte und des medizinischen Hilfspersonals wirft die Tatsache, daß viele einheimische Ärzte und auch medizinisches Hilfspersonal in Panik ihre Posten verließen und das Weite suchten, statt den Kranken beizustehen. Dies ist eigentlich kaum verständlich, da bei ausreichender Verfügbarkeit von Standardantibiotika die Pest leicht unter Kontrolle zu halten ist.

 
Das Reservoir für die Pest sind infizierte Flöhe von Nagetieren, besonders Ratten. Die normale Rattenpopulation ist relativ immun gegen die Pestbakterien, so können die infizierten Flöhe weiterleben. Kommt es aber durch eine Naturkatastrophe, Futtermangel oder bei starker Vermehrung zu Wanderbewegungen der Nager, werden andere Ratten angesteckt, die nicht immun sind. Von diesen sterben viele Tier, die infizierten Flöhe suchen neue Wirte und wechseln auf den Menschen, der dann erkrankt.

Selbst im hochzivilisierten Nordamerika kommen immer wieder Fälle an Beulenpest vor.
Dort sind fast immer die Flöhe der possierlichen Erdhörnchen, auch Präriehunde genannt, der Träger der lebensgefährlichen Erkrankung. Im südlichen Bundesstaat New Mexico infizieren sich jährlich bis zu zwölf Menschen. Die Erreger werden jedoch üblicherweise früh iagnostiziert und dementsprechend mit einem passenden Antibiotikum schon im Anfangsstadium abgetötet. Meistens werden die Überträger von den Haustieren eingeschleppt, wobei überwiegend Hunde die infizierten Flöhe aus der Prärie mitbringen. Haben die Flöhe bei ihrem Biß den Erreger übertragen, können die Yersiniabakterien sich als langsame Beulenpest oder als rasant ablaufende Lungenpest entwickeln.
Bei der Beulenpest können die befallenen Lymphknoten bis zu Faustgröße anschwellen. Die Erkrankung erhält oft auch den Namen "Schwarze Pest", dies ist durch ausgedehnte, schwarz erscheinende Blutungen unter die Haut bedingt.

 
Ist die Krankheit aus dem tierischen Reservoir der Nagetiere in die menschliche Bevölkerung geraten, geht sie leicht in die gefährliche Form der Lungenpest über. Hierbei kommt es durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch zu direktem Befall der Lungen. Beim Sprechen und Husten werden winzige Eiterpartikel mit lebendigen Yersiniakeimen als unsichtbare schwebende Tröpfchen in die Luft geschleudert, die dann von anderen Personen eingeatmet werden.
Die Erkrankung an der Lungenpest verläuft rasend schnell. Meist verstreichen nur 48 bis 72 Stunden bis zum Auftreten eines sehr hohen Fiebers um 39 bis 41 Grad Celsius. Gleichzeitig bestehen starke Kopfschmerzen und oft Schüttelfrost, schnell stellt sich wegen der massiven
Schleimhautzerstörungen der Atemwege Atemnot ein, die Haut verfärbt sich infolge Sauerstoffmangels bläulich. Falls bei der Lungenpest keine umgehende stationäre Behandlung erfolgt, ist die Ansteckungsgefahr für die Umgebung extrem hoch.

Hier liegt in unterentwickelten Ländern in Slums und schlecht versorgten Elendsgebieten die Hauptgefahr der Pest. In medizinisch ausreichend betreuten Regionen kann man durch Gabe von gängigen Antibiotika innerhalb der ersten 24 Stunden die Krankheit leicht heilen. Trotzdem werden an Lungenpest Erkrankte für sechs Tage unter Quarantäne gestellt, um die Weiterverbreitung von aktiven Keimen aus dem Eiter der infizierten Schleimhäute zu unterbinden.
Schon in der Bibel wird die Beulenpest im Zusammenhang mit massivem Auftreten von Mäusen erwähnt, sie grassierte im Sechsten, Vierzehnten und Siebzehnten Jahrhundert in Europa. 1575 starben in Venedig mehr als 46.000 Menschen. Die Wundärzte erkannten sehr richtig, daß die Erkrankung mit dem "Pesthauch" übertragen wurde und trugen neben Handschuhen, langen Umhängen vor allem Pestmasken, deren lange schnabelartige Nasen mit Kräutern gefüllt
waren.
Nach dem Siebzehnten Jahrhundert trat die Pest letztmalig als große Epidemie Anfang dieses Jahrhunderts in Nordchina in der Mandschurei auf.
Indien gilt als Reservoir, besonders im südlichen zentralen Teil des Riesenlandes kommt die Pest ständig vor. Andere, wichtigere Vorkommen liegen in Südvietnam, der Mandschurei, der Mongolei, den im Himalaja liegenden Staaten, sowie angrenzenden GUS-Ländern und den südwestlichen USA, Brasilien und nördlichen Andenstaaten.

 

Jäger sollen sich in der Mongolei und den Turk-Staaten der GUS vorsehen und möglichst Nagetiere, auch Murmeltiere nicht anfassen. Das Mitführen einiger starker Antibiotika empfiehlt sich in unterentwickelten Staaten und bei Erkrankungen sollte man lieber frühzeitig eine Antibiotika-Kur machen.

Link zu Artikel "Pest in Sambia" im Bereich Auslandsjagd

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