Medizin

Schlangen, Skorpione und saugendes Getier

Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors!

 

Eine instinktive Abneigung vor Schlangen, Spinnen und Skorpionen ist den meisten Menschen angeboren und anerzogen. Die Schlange gilt seit der biblischen Geschichte über die Vertreibung aus dem Paradies als Inbegriff des Bösen. Die Angst vor dem tödlichen Schlangenbiß ist aber nur in wenigen Regionen gerechtfertigt und das Risiko meistens stark übertrieben. Die meisten Bisse von Giftschlangen sind "trocken", das Gift wird nicht injiziert, die Schlange geht sparsam damit um und benutzt es meistens nur, um Beute zu erlegen. Aber weiß man es vorher?

Weltweit kommen rund 2.700 verschiedene Schlangenarten vor, von denen immerhin ungefähr 375 giftig sind. Lebensgefährlich für den Menschen können nur etwa 220 Giftschlangen werden. Schlangen sind scheue Tiere, die sich meistens rechtzeitig vor dem Menschen in Erdlöcher oder Spalten zurückziehen. Somit geschehen Schlangenbisse meistens beim Überraschen ruhender oder träger, gut getarnter Schlangen. Beim Gehen im Gelände werden üblicherweise Schlangen durch die Bodenerschütterungen der menschlichen Fußtritte aufmerksam und verschwinden rechtzeitig. Bisse in der freien Natur werden meistens in bewässerten Gebieten von Barfußgängern gemeldet.

In gemäßigten Klimata halten die Schlangen tief im Boden einen Winterschlaf, in dem sie starr sind und der Stoffwechsel auf ganz niedrigem Niveau abläuft. Ähnlich ist es in manchen Wüstengebieten, wo einige Arten einen Sommerschlaf während der heißesten Jahreszeit halten.

Die meisten Menschen haben die Vorstellung von Feuchte und glitschig-schlüpfriger Haut bei Schlangen. Das ist falsch, die Tiere haben keine Drüsen auf ihrer trockenen, verhornten Haut. Diese Hülle wird von Zeit zu Zeit abgestreift, wobei die alte Haut an den Rachenrändern aufplatzt und die Schlange mit der neugebildeten, prachtvoll gezeichneten Epidermis herauskriecht. Leider verblassen die Farben der Schlangenhaut beim Gerben, so daß nur noch ein schwarzweißes Muster übrig bleibt. In Deutschland werden Schlangenhäute wegen des aufwendigen Verfahrens nur vom Lederinstitut und Gerberschule in Reutlingen im Rahmen der Ausbildung gegerbt.

 
Schlangen kann man in vier Gruppen einteilen

  • Harmlose Nattern (aglyphe) mit massiven Zähnen ohne Hohlraum oder Furche für Gift. Zu diesen gehören auch die Riesenschlangen (Boidae) mit zwei Gruppen, den eierlegenden Pythonschlangen in Afrika, Asien und Australien, sowie den lebendgebärenden Boas in Nord- und Südamerika. Pythonschlangen besitzen wie die Grubenottern Oberlippengruben. In diesen sitzen wärmefühlende Sinneszellen mit denen die Schlangen bei völliger Dunkelheit warmblütige Beutetiere lokalisieren können.

 

  • Gefährliche Nattern sind Arten der Trugnattern, wie die hochgiftige Boomslang, Dispholidus typus, und die Vogelnatter, Thelotornis kirtlandii, und die Giftnattern mit im Vorderkiefer sitzenden starren Giftzähnen, in denen eine Längsfurche das Gift führt. Die gefährlichsten und reizbarsten Schlangen wie Mambas, Asiatische Königskobra und australischer Taipan zählen zu den Giftnattern. Kobras sind weit bekannt, jeder hat in Abbildungen die charakteristische Imponierhaltung mit aufgerichtetem Vorderteil gesehen, wobei die gespreizten Halsrippen einen Schild bilden. Es empfiehlt sich, von Kobras Abstand zu halten, manche Arten spucken gezielt ihr Gift aus mehreren Metern Entfernung auf die Augen ihres Opfers und erzeugen so qualvolle Entzündungen.

 

  • Lebensgefährlich giftige Ottern haben zwei hohle, gebogene Giftzähne, die im Ruhezustand verborgen in einer Hautfalte im Oberkiefer liegen. Beim Öffnen des Rachens werden die Giftzähne hervorgespreizt. Zu diesen Giftschlangen zählen Klapperschlangen, Baumottern und Vipern. Vipern sind überwiegend träge Bodenbewohner und kommen nur in Afrika, Europa und Asien vor, sie sind lebendgebärend oder die Jungen sprengen gleich nach dem Eierlegen die Eihülle. In Mitteleuropa ist die sehr seltene Kreuzotter und die Aspis- oder Juraviper verbreitet, in Südeuropa die außerordentlich giftige Europäische Hornotter und auf den griechischen Inseln die Bergotter und Levanteotter.

Der Biß der Kreuzotter ist relativ harmlos und kann eigentlich nur sehr geschwächten Personen oder kleinen Kindern gefährlich werden. Es ist nicht nötig, die Bißstelle aufzuschneiden. Das Gift der Kreuzotter ist aus hämo- und proteolytischen Anteile zusammengesetzt, deren Blut- und Eiweiß zerstörende Wirkung später in der Klinik notfalls mit Transfusionen bekämpft werden kann.

 

  • Klapperschlangen und Baumottern sind Grubenottern, die zwischen den Nasenlöchern und den Augen eine Grube mit Sinneszellen haben, die Temperaturschwankungen von 0,003 Grad Celsius auf 50 Zentimeter Abstand erfassen können und so in völliger Dunkelheit ihre Beutetiere finden.

Klapperschlangen kommen mit 15 Arten in Nordamerika häufig vor, sind aber relativ harmlos, ihre Giftwirkung ist gering und kann höchstens kleinen Kindern gefährlich werden. Meistens wird beim Biß kein Gift abgegeben, im allgemeinen lediglich 25 bis 75 Prozent ihres Vorrates. Charakteristisch ist ihr leises, aber durchdringendes Klappern, das mit den acht bis zwölf lose ineinander liegenden Hornringen der aufgerichteten Schwanzspitze mit 20 bis 90 Schwingungen in der Sekunde erzeugt wird. Es gibt jedoch auch Klapperschlangen ohne Hornringe, die sich wegen der Verfolgung ihrer durch das Rasseln leicht zu entdeckenden Artgenossen, durchsetzen und vermehren können.

 
In Wyoming konnte ich einmal Anfang Oktober infolge ungewöhnlich warmer Witterung an einem Tag bei Bauen von Erdhörnchen drei Klapperschlangen erbeuten und fünf weitere beobachten. Mein amerikanischer Freund hatte in zehn Jahren erst zweimal Klapperschlangen erblickt, Wyoming gilt auch nicht als schlangenreiches Gebiet.

Wie harmlos die in großer Zahl vorkommenden "rattler" sind, zeigt die Statistik: In den USA werden jährlich rund 3.000 bis 4.000 Schlangenbisse behandelt, aber nur zwei bis 15 Todesfälle berichtet. Hierbei handelt es sich meistens um die wesentlich gefährlichere Mokassin Wasserschlange oder Korallenschlange. Im Gegensatz dazu gibt es bei Bienen- oder Wespenstichen rund 1.000 Tote in den USA.

 

Unterschiedliche Giftwirkung

Die Giftwirkung ist je nach Alter und Allgemeinzustand des Opfers und Ort des Bisses ganz unterschiedlich. Beim Stich in ein Blutgefäß wird das Gift gleichsam mit der Spritze in den Blutkreislauf injiziert und kann große Schäden anrichten. Wird das Gift aber in Fettgewebe gespritzt, dauert es lange bis zur Entwicklung von Störungen im ganzen Körper.

Schlangengift ist im Aufbau und in der Wirkung von Schlangenart zu Schlangenart unterschiedlich. Es wirkt nervenschädigend, blutauflösend, eiweißzerstörend oder auch als Kombination dieser Eigenschaften. Es gibt Universalseren für die verschiedenen geographischen Regionen als Gegengift, mit denen Bisse aller Giftschlangen der Gegend erfaßt sind. Das sehr teure Serum muß durchgehend kühl gelagert werden, was bei der Jagd nur sehr selten möglich ist. Daher verzichtete ich auf das Mitführen von Schlangenserum. Meistens ist die Schlange auch nach dem Biß entkommen, man weiß also nicht, ob es ein giftiges oder ein harmloses Reptil war. Die Gefahr von Nebenwirkungen durch das Antiserum ist fast größer als der Schutz. Die Einnahme von Alkohol ist in jedem Fall zu vermeiden.

Im Ernstfall wird man, abhängig vom Ort des Bisses, mit Abbinden oder örtlichen Maßnahmen handeln, um den Eintritt des Giftes in die Blutbahn und damit die Wirkung auf den gesamten Organismus zu verzögern.

In Burma sterben jährlich 1.00 Personen durch Bisse von Giftschlangen. Dort zeigte sich in einer Studie von Tunpe Ayeayemyint, daß Abbinden der Gliedmaßen wirkungsvoller als Aussaugen oder Exzision ist.

Hat eine Giftschlange zugebissen, muß man entschlossen handeln und darf nicht in Panik verfallen. Man soll das Gift nie mit dem Mund aussaugen, es würde dann durch die Schleimhaut und die sich dort fast immer findenden Hautrisse in den Blutkreislauf der helfenden Person gelangen.

Allerdings wirken manche Saugpumpen sehr effektiv. Der wirksamste Erste-Hilfe Satz mit einer Saugpumpe stammt von Sawyer und wird selbst im renommierten Merck's Manual Lehrbuch empfohlen. Sie erzeugt einen Unterdruck von einer Atmosphäre, so daß sich die Haut zentimeterdick emporwölbt, die Stichstelle sich öffnet und das Gewebewasser inklusive eventuellem Gift austritt. An der Universität von Tucson in Arizona, einem wüstenhaften US-Staat mit vielen Bissen von Klapperschlangen, wurde die Wirksamkeit getestet. Standardisiertes, radiomarkiertes Klapperschlangengift wurde männlichen Kaninchen gespritzt und nach einem drei Minuten währenden Intervall verschieden lang mit der Sawyer Pumpe abgesaugt. Nach drei Minuten Saugen war ungefähr 23 Prozent des Giftes und nach 30 Minuten Saugen war rund 34 Prozent des Schlangengiftes entfernt.

Je schneller er nach dem Biß angewendet wird, desto größer ist die Wirkung. 30 Minuten nach einem Biß ist das Ansetzen einer Saugpumpe sinnlos.

Wie geht man vor ?

Die Giftzähne hinterlassen oft zwei dickere Punkte an einem Ende der Bißstelle, dort muß man die Saugpumpe mit dem entsprechenden Aufsatz ansetzen und mindestens drei Minuten den Unterdruck durch einfaches Hineindrücken des Stempels erzeugen. Liegt der Biß in behaarten Hautregionen muß man vor dem Saugen mit dem beiliegenden Rasierer die Haare abrasieren, um keinen Druckverlust zu riskieren.

Der handliche Set enthält neben Verbandsmitteln verschiedene Ansaugstücke für die Pumpe, die man so für Mücken-, Hornissen-, Bienen- und andere Stiche nutzen kann. Hierbei läßt man den eventuell noch in der Stichstelle sitzenden Stachel in der Wunde und setzt auf ihn die Saupumpe, die dann durch den offenen Stichkanal effektiv fast alles Gift absaugt.

 

Für Indien lauten die Schätzungen auf 30.000 Bisse im Jahr. Für ganz Afrika mit seiner Bevölkerung von siebenhundert Millionen Menschen schätzt man die Todesfälle durch Schlangen auf 700 bis 1.000 pro Jahr. Da leben wir in der Bundesrepublik mit ungefähr 8.000 Toten im Jahr im Straßenverkehr bei einer Bevölkerung von rund 82 Millionen wesentlich gefährdeter.

 
Schutz vorm Biß

Man sollte sich angewöhnen, bis zum Knie reichende, hohe und oben dicht abschließende, feste Gamaschen zu tragen. Auch Krankheitsträger Zecken, Ameisen oder sonstige Tiere können nicht unter die Hosenbeine schlüpfen und beißen und das Hineinfallen von kleinen Steinchen, Sand, Grassamen, Disteln oder Ästchen in die Schuhe mit folgendem Wundreiben wird verhindert.

Kopfschüttelnd betrachte ich immer wieder die sicherlich sehr angenehmen kurzen Hosen mancher Reisender im Busch des südlichen Afrikas. Auch wenn meistens der Geländewagen nicht weit ist, sollte man sich mit langen Hosen, Gamaschen und festem Schuhwerk wappnen. Ganze Reisegruppen erkrankten an dem lästigen, durch Zeckenstich hervorgerufenen "Tick Fever". Außerdem kommen in den tropischen und subtropischen Regionen andere kaum bekannte Viruserkrankungen vor, die zu schweren und langwierigen Verläufen führen. Immer wieder fragen mich Reisende, die sich in abgelegenen Gebieten solch unerwünschtes Souvenir einfingen, um Rat. Meistens stehen selbst die weiterbehandelnden Tropeninstitute diesen Syndromen hilflos gegenüber. Vorbeugen ist besser als Heilen.

 
Skorpione und Spinnen

Glücklicherweise ist das Zusammentreffen mit Skorpionen in der Buschsavanne und im Wald selten, und ihr Stich ist nur in Ausnahmefällen tödlich. Es müssen schon mehrere unglückliche Bedingungen zusammentreffen, bevor es fatal wird.

Im Sommer 1993 gab es in der türkischen Hauptstadt Ankara eine Skorpion-Plage mit täglich 30 bis 35 gestochenen Patienten in der staatlichen Behandlungszentrale, aber keinen Todesfall.

Eine Allergie gegen ihr Gift, ein direktes Einspritzen dieses in ein Blutgefäß oder dessen Nähe und damit schnelles, konzentriertes Einwirken auf Herz- und Nervensystem, eine Kreislaufschwäche bei eventuell gleichzeitig bestehender, sonstiger Erkrankung oder weitere Schwächungen der Abwehrlage sind nötig, damit sich eine ernstere Erkrankung entwickeln kann.

Zwar bieten Skorpione ein imponierendes und erschreckendes Bild, wenn sie sich mit ihren gespreizten, überdimensionalen Scheren und dem steil aufgerichtetem Schwanz mit drohendem, giftgefülltem Stachel auf dem Boden bewegen, doch geht von ihnen kaum eine echte Gefahr für den Menschen aus.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das von den Wehrmachts-Ärzten im Afrika-Korps zur Genüge belegt. Skorpione lieben die Vegetation in bewässerten Gebieten, daher wurden die an den Rändern der Oasen im Schützengraben liegenden Soldaten oft genug Opfer dieser Tiere. Glücklicherweise gab es nur selten stärkere Reaktionen. Allerdings sind die in Nordafrika vorkommenden über vierzig verschiedenen Arten dieser Ordnung der Spinnentiere sehr unterschiedlich mit Gift bewehrt.

Fast immer genügte in Nordafrika das Unterspritzen der Stichstelle mit einem örtlichen Betäubungsmittel, wie man sie auch zur chirurgischen Versorgung einer Wunde verwendet. Falls die anatomischen Verhältnisse es erlaubten, wurde der Spritze Adrenalin beigegeben, damit die Blutgefäße sich an der Stichstelle zusammenzogen. So war die Durchblutung verringert, das Gift wurde langsamer in den Körper freigesetzt und dadurch seine eventuell schädliche Kreislaufwirkung abgeschwächt. Heute würde man die Soldaten mit einer wirksamen Saugpumpe ausrüsten.

In vierzehn Jahren mehrwöchiger Safaris zu Fuß im afrikanischen Urwald, habe ich nur einmal einen großen, grünen Waldskorpion gefunden. Er sieht, acht Zentimeter lang und fingerdick, wirklich zum Fürchten aus, hat angeblich jedoch wenig Gift.

Bei einer Safari an der zentralafrikanischen Grenze erlebte ich, wie ein kleiner, heller Skorpion in den Handballen eines Trägers stach. Wir hatten zur Nacht unter dem halbverfallenen Strohdach eines alten, lange verlassenen Schlingensteller-Lagers vor einem drohenden Unwetter Zuflucht gesucht. Als der Sturzregen niederprasselte, saß ich mit meiner Mannschaft von drei Schwarzen unter der Mitte des löcherigen Daches, das wir an dieser Stelle durch eine übergezogene Plastikplane abgedichtet hatten.

Plötzlich schrie ein Träger, der sich mit der Hand auf der Erde abstützen wollte, laut auf. Er hatte in einen Skorpion gefaßt, der auch unter dem Dach Schutz suchte. Der Stich war kaum zu sehen, und die Umgebung schwoll nicht an. Der Schmerz ließ nach dem Auftragen eines betäubenden Gels gegen Mückenstiche schnell nach. Wenn dies nicht zur Hand ist, hilft dick aufgetragene Zahnpasta auch, sie enthält Stoffe, die das Zahnfleisch zusammenziehen.

Auch in Nordalgerien erlebte ich auf den Großbaustellen, deren Arbeiter ich einige Jahre ärztlich betreute, viele Skorpionstiche, die alle leicht wie Wespenstiche verliefen. Ich gab nie Antiserum, da die Gefahr von Impfkomplikationen durch dies wahrscheinlich höher war als durch die Giftwirkung des Stichs.

 
Mücken

Moskitos können ihr Teil zu sehr unangenehm, schlaflos verbrachten Nächten beitragen und vor allem Malaria übertragen. Im Urwald treten sie bis auf die nähere Umgebung von Sümpfen glücklicherweise nur in geringer Zahl auf. Sehr hoch ist ihr Vorkommen an Flußufern zu Beginn der Regenzeit.
Tagsüber hat man Ruhe vor den Plagegeistern, erst in der fortgeschrittenen Dämmerung werden sie aktiv und suchen ihre Opfer. Nur die Weibchen saugen Blut, beim Stich wird ein gerinnungshemmender Stoff, der den Schmerz bewirkt, eingespritzt. Der juckende Reiz hält einige Stunden an, was aber die Nachtruhe empfindlich stören kann. Bevorzugt stechen Mücken in gut durchblutete Körperteile mit dünner Haut, die leider häufig auch am dichtesten von Nervenenden durchzogen sind. Daher quälen Mückenstiche im Bereich der Hand besonders stark. Der Juckreiz läßt schnell nach, wenn man Zahnpasta auf die Stichstelle aufträgt. Die hat man fast immer zur Hand. Unweigerlich finden sie die kleinste Öffnung im Moskitonetz, das man lieber etwas größer wählen sollte. Öfter dreht man sich im Schlaf, ein Hautbereich liegt dem Netz an und lädt die hungrigen Moskitos zum Nachtmahl ein. Daher lohnt es sich, feste Handschuhe mitzunehmen und nachts anzuziehen.

Wegen drohender Malariagefahr ist weitestmögliche Verhütung von Mückenstichen nötig. Glücklicherweise lassen sich die Moskitos sehr gut mit den gängigen Einreibemitteln, den sogenannten Repellents, wie Autan, Bonomol und andere fernhalten. Je höher der DEET-Anteil, desto effektiver der Schutz. Bloß nie in die Schleimhäute an Nase, Auge, Mund, Geschlechtsorgane bringen! Das brennt
teuflisch.

Kriebelmücken, Phlebotomen und mehr:

Besonders nachmittags wird man in sumpfiger Wassernähe von winzig kleinen "Mut Mut" Mücken attackiert, die in Bodenhöhe fliegen und bevorzugt in die dünne Haut der Waden stechen. Da ihre Stiche erst nach einiger Zeit, dafür aber noch wochenlang heftig jucken, darf man im Lager nicht mit entblößten Beinen laufen.
Die aufgekratzten Wunden dienen als Eintrittspforten für gefährliche Keime, wie Gasbrand und zerstörerische Streptokokken, und infizieren sich sehr schnell und können zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern führen.

Auch zum Schutz vor Sandflöhen, die ihre Eier unter die Hornhaut der Füße legen, und vor Grubenwürmern empfiehlt es sich, im Lager Socken zu tragen. Sandmücken übertragen selbst in Südeuropa, vor allem aber in Nordafrika und im Orient die sich als Aleppo-Beule manifestierende Haut- oder als Allgemeinerkrankung auftretende Viscerale Leishmaniose, aber auch quälende Viruserkrankungen, wie kürzlich bei mehreren Deutschen in der Toskana. Klangvolle Namen wie
Pappataci-Fieber braucht man nicht unbedingt zu tragen.

Blutegel leben in stehenden Gewässern, von ihnen geht für Menschen aber kaum eine Gefährdung aus. Trotz teilweise stundenlangen Watens in kleinen Bächen oder Sümpfen wurde niemals ein Teilnehmer meiner Savannen- und Urwaldreisen befallen.

 
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