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Eine instinktive Abneigung vor Schlangen, Spinnen und Skorpionen ist
den meisten Menschen angeboren und anerzogen. Die Schlange gilt seit
der biblischen Geschichte über die Vertreibung aus dem Paradies
als Inbegriff des Bösen. Die Angst vor dem tödlichen
Schlangenbiß ist aber nur in wenigen Regionen gerechtfertigt
und das Risiko meistens stark übertrieben. Die meisten Bisse von
Giftschlangen sind "trocken", das Gift wird nicht
injiziert, die Schlange geht sparsam damit um und benutzt es meistens
nur, um Beute zu erlegen. Aber weiß man es vorher?
Weltweit kommen rund 2.700 verschiedene Schlangenarten vor, von denen
immerhin ungefähr 375 giftig sind. Lebensgefährlich für
den Menschen können nur etwa 220 Giftschlangen werden.
Schlangen sind scheue Tiere, die sich meistens rechtzeitig vor dem
Menschen in Erdlöcher oder Spalten zurückziehen. Somit
geschehen Schlangenbisse meistens beim Überraschen ruhender oder
träger, gut getarnter Schlangen. Beim Gehen im Gelände
werden üblicherweise Schlangen durch die
Bodenerschütterungen der menschlichen Fußtritte aufmerksam
und verschwinden rechtzeitig. Bisse in der freien Natur werden
meistens in bewässerten Gebieten von Barfußgängern gemeldet.
In gemäßigten Klimata halten die Schlangen tief im Boden
einen Winterschlaf, in dem sie starr sind und der Stoffwechsel auf
ganz niedrigem Niveau abläuft. Ähnlich ist es in manchen
Wüstengebieten, wo einige Arten einen Sommerschlaf während
der heißesten Jahreszeit halten.
Die meisten Menschen haben die Vorstellung von Feuchte und
glitschig-schlüpfriger Haut bei Schlangen. Das ist falsch, die
Tiere haben keine Drüsen auf ihrer trockenen, verhornten Haut.
Diese Hülle wird von Zeit zu Zeit abgestreift, wobei die alte
Haut an den Rachenrändern aufplatzt und die Schlange mit der
neugebildeten, prachtvoll gezeichneten Epidermis herauskriecht.
Leider verblassen die Farben der Schlangenhaut beim Gerben, so
daß nur noch ein schwarzweißes Muster übrig bleibt.
In Deutschland werden Schlangenhäute wegen des aufwendigen
Verfahrens nur vom Lederinstitut und Gerberschule in Reutlingen im
Rahmen der Ausbildung gegerbt.
Schlangen kann man in vier Gruppen einteilen
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Harmlose Nattern (aglyphe) mit massiven Zähnen
ohne Hohlraum oder Furche für Gift. Zu diesen gehören auch
die Riesenschlangen (Boidae) mit zwei Gruppen, den
eierlegenden Pythonschlangen in Afrika, Asien und Australien, sowie
den lebendgebärenden Boas in Nord- und Südamerika.
Pythonschlangen besitzen wie die Grubenottern Oberlippengruben. In
diesen sitzen wärmefühlende Sinneszellen mit denen die
Schlangen bei völliger Dunkelheit warmblütige Beutetiere
lokalisieren können.
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Gefährliche Nattern sind Arten der Trugnattern, wie die
hochgiftige Boomslang, Dispholidus typus, und die Vogelnatter, Thelotornis
kirtlandii, und die Giftnattern mit im Vorderkiefer sitzenden
starren Giftzähnen, in denen eine Längsfurche das Gift
führt. Die gefährlichsten und reizbarsten Schlangen wie
Mambas, Asiatische Königskobra und australischer Taipan
zählen zu den Giftnattern. Kobras sind weit bekannt, jeder hat
in Abbildungen die charakteristische Imponierhaltung mit
aufgerichtetem Vorderteil gesehen, wobei die gespreizten Halsrippen
einen Schild bilden. Es empfiehlt sich, von Kobras Abstand zu halten,
manche Arten spucken gezielt ihr Gift aus mehreren Metern Entfernung
auf die Augen ihres Opfers und erzeugen so qualvolle Entzündungen.
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Lebensgefährlich giftige Ottern haben zwei hohle,
gebogene Giftzähne, die im Ruhezustand verborgen in einer
Hautfalte im Oberkiefer liegen. Beim Öffnen des Rachens werden
die Giftzähne hervorgespreizt. Zu diesen Giftschlangen
zählen Klapperschlangen, Baumottern und Vipern. Vipern sind
überwiegend träge Bodenbewohner und kommen nur in Afrika,
Europa und Asien vor, sie sind lebendgebärend oder die Jungen
sprengen gleich nach dem Eierlegen die Eihülle. In Mitteleuropa
ist die sehr seltene Kreuzotter und die Aspis- oder Juraviper
verbreitet, in Südeuropa die außerordentlich giftige
Europäische Hornotter und auf den griechischen Inseln die
Bergotter und Levanteotter.
Der Biß der Kreuzotter ist relativ harmlos und kann eigentlich
nur sehr geschwächten Personen oder kleinen Kindern
gefährlich werden. Es ist nicht nötig, die Bißstelle
aufzuschneiden. Das Gift der Kreuzotter ist aus hämo- und
proteolytischen Anteile zusammengesetzt, deren Blut- und Eiweiß
zerstörende Wirkung später in der Klinik notfalls mit
Transfusionen bekämpft werden kann.
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Klapperschlangen und Baumottern sind Grubenottern, die
zwischen den Nasenlöchern und den Augen eine Grube mit
Sinneszellen haben, die Temperaturschwankungen von 0,003 Grad Celsius
auf 50 Zentimeter Abstand erfassen können und so in völliger
Dunkelheit ihre Beutetiere finden.
Klapperschlangen kommen mit 15 Arten in Nordamerika häufig vor,
sind aber relativ harmlos, ihre Giftwirkung ist gering und kann
höchstens kleinen Kindern gefährlich werden. Meistens wird
beim Biß kein Gift abgegeben, im allgemeinen lediglich 25 bis
75 Prozent ihres Vorrates. Charakteristisch ist ihr leises, aber
durchdringendes Klappern, das mit den acht bis zwölf lose
ineinander liegenden Hornringen der aufgerichteten Schwanzspitze mit
20 bis 90 Schwingungen in der Sekunde erzeugt wird. Es gibt jedoch
auch Klapperschlangen ohne Hornringe, die sich wegen der Verfolgung
ihrer durch das Rasseln leicht zu entdeckenden Artgenossen,
durchsetzen und vermehren können.
In Wyoming konnte ich einmal Anfang Oktober infolge ungewöhnlich
warmer Witterung an einem Tag bei Bauen von Erdhörnchen drei
Klapperschlangen erbeuten und fünf weitere beobachten. Mein
amerikanischer Freund hatte in zehn Jahren erst zweimal
Klapperschlangen erblickt, Wyoming gilt auch nicht als
schlangenreiches Gebiet.
Wie harmlos die in großer Zahl vorkommenden "rattler"
sind, zeigt die Statistik: In den USA werden jährlich rund 3.000
bis 4.000 Schlangenbisse behandelt, aber nur zwei bis 15
Todesfälle berichtet. Hierbei handelt es sich meistens um die
wesentlich gefährlichere Mokassin Wasserschlange oder
Korallenschlange. Im Gegensatz dazu gibt es bei Bienen- oder
Wespenstichen rund 1.000 Tote in den USA.
Unterschiedliche Giftwirkung
Die Giftwirkung ist je nach Alter und Allgemeinzustand des Opfers und
Ort des Bisses ganz unterschiedlich. Beim Stich in ein
Blutgefäß wird das Gift gleichsam mit der Spritze in den
Blutkreislauf injiziert und kann große Schäden anrichten.
Wird das Gift aber in Fettgewebe gespritzt, dauert es lange bis zur
Entwicklung von Störungen im ganzen Körper.
Schlangengift ist im Aufbau und in der Wirkung von Schlangenart zu
Schlangenart unterschiedlich. Es wirkt nervenschädigend,
blutauflösend, eiweißzerstörend oder auch als
Kombination dieser Eigenschaften. Es gibt Universalseren für die
verschiedenen geographischen Regionen als Gegengift, mit denen Bisse
aller Giftschlangen der Gegend erfaßt sind. Das sehr teure
Serum muß durchgehend kühl gelagert werden, was bei der
Jagd nur sehr selten möglich ist. Daher verzichtete ich auf das
Mitführen von Schlangenserum. Meistens ist die Schlange auch
nach dem Biß entkommen, man weiß also nicht, ob es ein
giftiges oder ein harmloses Reptil war. Die Gefahr von Nebenwirkungen
durch das Antiserum ist fast größer als der Schutz. Die
Einnahme von Alkohol ist in jedem Fall zu vermeiden.
Im Ernstfall wird man, abhängig vom Ort
des Bisses, mit Abbinden oder örtlichen Maßnahmen handeln,
um den Eintritt des Giftes in die Blutbahn und damit die Wirkung auf
den gesamten Organismus zu verzögern.
In Burma sterben jährlich 1.00 Personen durch Bisse von
Giftschlangen. Dort zeigte sich in einer Studie von Tunpe
Ayeayemyint, daß Abbinden der Gliedmaßen wirkungsvoller
als Aussaugen oder Exzision ist.
Hat eine Giftschlange zugebissen, muß man entschlossen handeln
und darf nicht in Panik verfallen. Man soll das Gift nie mit dem Mund
aussaugen, es würde dann durch die Schleimhaut und die sich dort
fast immer findenden Hautrisse in den Blutkreislauf der helfenden
Person gelangen.
Allerdings wirken manche Saugpumpen sehr effektiv. Der wirksamste
Erste-Hilfe Satz mit einer Saugpumpe stammt von Sawyer und wird
selbst im renommierten Merck's Manual Lehrbuch empfohlen. Sie erzeugt
einen Unterdruck von einer Atmosphäre, so daß sich die
Haut zentimeterdick emporwölbt, die Stichstelle sich öffnet
und das Gewebewasser inklusive eventuellem Gift austritt. An der
Universität von Tucson in Arizona, einem wüstenhaften
US-Staat mit vielen Bissen von Klapperschlangen, wurde die
Wirksamkeit getestet. Standardisiertes, radiomarkiertes
Klapperschlangengift wurde männlichen Kaninchen gespritzt und
nach einem drei Minuten währenden Intervall verschieden lang mit
der Sawyer Pumpe abgesaugt. Nach drei Minuten Saugen war ungefähr
23 Prozent des Giftes und nach 30 Minuten Saugen war rund 34 Prozent
des Schlangengiftes entfernt.
Je schneller er nach dem Biß angewendet wird, desto
größer ist die Wirkung. 30 Minuten nach einem Biß
ist das Ansetzen einer Saugpumpe sinnlos.
Wie geht man vor ?
Die Giftzähne hinterlassen oft zwei dickere Punkte an einem Ende
der Bißstelle, dort muß man die Saugpumpe mit dem
entsprechenden Aufsatz ansetzen und mindestens drei Minuten den
Unterdruck durch einfaches Hineindrücken des Stempels erzeugen.
Liegt der Biß in behaarten Hautregionen muß man vor dem
Saugen mit dem beiliegenden Rasierer die Haare abrasieren, um keinen
Druckverlust zu riskieren.
Der handliche Set enthält neben Verbandsmitteln verschiedene
Ansaugstücke für die Pumpe, die man so für
Mücken-, Hornissen-, Bienen- und andere Stiche nutzen kann.
Hierbei läßt man den eventuell noch in der Stichstelle
sitzenden Stachel in der Wunde und setzt auf ihn die Saupumpe, die
dann durch den offenen Stichkanal effektiv fast alles Gift absaugt.
Für Indien lauten die Schätzungen auf 30.000 Bisse im Jahr.
Für ganz Afrika mit seiner Bevölkerung von siebenhundert
Millionen Menschen schätzt man die Todesfälle durch
Schlangen auf 700 bis 1.000 pro Jahr. Da leben wir in der
Bundesrepublik mit ungefähr 8.000 Toten im Jahr im
Straßenverkehr bei einer Bevölkerung von rund 82 Millionen
wesentlich gefährdeter.
Schutz vorm Biß
Man sollte sich angewöhnen, bis zum Knie reichende, hohe und
oben dicht abschließende, feste Gamaschen zu tragen. Auch
Krankheitsträger Zecken, Ameisen oder sonstige Tiere können
nicht unter die Hosenbeine schlüpfen und beißen und das
Hineinfallen von kleinen Steinchen, Sand, Grassamen, Disteln oder
Ästchen in die Schuhe mit folgendem Wundreiben wird verhindert.
Kopfschüttelnd betrachte ich immer wieder die sicherlich sehr
angenehmen kurzen Hosen mancher Reisender im Busch des südlichen
Afrikas. Auch wenn meistens der Geländewagen nicht weit ist,
sollte man sich mit langen Hosen, Gamaschen und festem Schuhwerk
wappnen. Ganze Reisegruppen erkrankten an dem lästigen, durch
Zeckenstich hervorgerufenen "Tick Fever". Außerdem
kommen in den tropischen und subtropischen Regionen andere kaum
bekannte Viruserkrankungen vor, die zu schweren und langwierigen
Verläufen führen. Immer wieder fragen mich Reisende, die
sich in abgelegenen Gebieten solch unerwünschtes Souvenir
einfingen, um Rat. Meistens stehen selbst die weiterbehandelnden
Tropeninstitute diesen Syndromen hilflos gegenüber. Vorbeugen
ist besser als Heilen.
Skorpione und Spinnen
Glücklicherweise ist das Zusammentreffen mit Skorpionen in der
Buschsavanne und im Wald selten, und ihr Stich ist nur in
Ausnahmefällen tödlich. Es müssen schon mehrere
unglückliche Bedingungen zusammentreffen, bevor es fatal wird.
Im Sommer 1993 gab es in der türkischen Hauptstadt Ankara eine
Skorpion-Plage mit täglich 30 bis 35 gestochenen Patienten in
der staatlichen Behandlungszentrale, aber keinen Todesfall.
Eine Allergie gegen ihr Gift, ein direktes Einspritzen dieses in ein
Blutgefäß oder dessen Nähe und damit schnelles,
konzentriertes Einwirken auf Herz- und Nervensystem, eine
Kreislaufschwäche bei eventuell gleichzeitig bestehender,
sonstiger Erkrankung oder weitere Schwächungen der Abwehrlage
sind nötig, damit sich eine ernstere Erkrankung entwickeln kann.
Zwar bieten Skorpione ein imponierendes und erschreckendes Bild, wenn
sie sich mit ihren gespreizten, überdimensionalen Scheren und
dem steil aufgerichtetem Schwanz mit drohendem, giftgefülltem
Stachel auf dem Boden bewegen, doch geht von ihnen kaum eine echte
Gefahr für den Menschen aus.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das von den Wehrmachts-Ärzten im
Afrika-Korps zur Genüge belegt. Skorpione lieben die Vegetation
in bewässerten Gebieten, daher wurden die an den Rändern
der Oasen im Schützengraben liegenden Soldaten oft genug Opfer
dieser Tiere. Glücklicherweise gab es nur selten stärkere
Reaktionen. Allerdings sind die in Nordafrika vorkommenden über
vierzig verschiedenen Arten dieser Ordnung der Spinnentiere sehr
unterschiedlich mit Gift bewehrt.
Fast immer genügte in Nordafrika das Unterspritzen der
Stichstelle mit einem örtlichen Betäubungsmittel, wie man
sie auch zur chirurgischen Versorgung einer Wunde verwendet. Falls
die anatomischen Verhältnisse es erlaubten, wurde der Spritze
Adrenalin beigegeben, damit die Blutgefäße sich an der
Stichstelle zusammenzogen. So war die Durchblutung verringert, das
Gift wurde langsamer in den Körper freigesetzt und dadurch seine
eventuell schädliche Kreislaufwirkung abgeschwächt. Heute
würde man die Soldaten mit einer wirksamen Saugpumpe ausrüsten.
In vierzehn Jahren mehrwöchiger Safaris zu Fuß im
afrikanischen Urwald, habe ich nur einmal einen großen,
grünen Waldskorpion gefunden. Er sieht, acht Zentimeter lang und
fingerdick, wirklich zum Fürchten aus, hat angeblich jedoch
wenig Gift.
Bei einer Safari an der zentralafrikanischen Grenze erlebte ich, wie
ein kleiner, heller Skorpion in den Handballen eines Trägers
stach. Wir hatten zur Nacht unter dem halbverfallenen Strohdach eines
alten, lange verlassenen Schlingensteller-Lagers vor einem drohenden
Unwetter Zuflucht gesucht. Als der Sturzregen niederprasselte,
saß ich mit meiner Mannschaft von drei Schwarzen unter der
Mitte des löcherigen Daches, das wir an dieser Stelle durch eine
übergezogene Plastikplane abgedichtet hatten.
Plötzlich schrie ein Träger, der sich mit der Hand auf der
Erde abstützen wollte, laut auf. Er hatte in einen Skorpion
gefaßt, der auch unter dem Dach Schutz suchte. Der Stich war
kaum zu sehen, und die Umgebung schwoll nicht an. Der Schmerz
ließ nach dem Auftragen eines betäubenden Gels gegen
Mückenstiche schnell nach. Wenn dies nicht zur Hand ist, hilft
dick aufgetragene Zahnpasta auch, sie enthält Stoffe, die das
Zahnfleisch zusammenziehen.
Auch in Nordalgerien erlebte ich auf den Großbaustellen, deren
Arbeiter ich einige Jahre ärztlich betreute, viele
Skorpionstiche, die alle leicht wie Wespenstiche verliefen. Ich gab
nie Antiserum, da die Gefahr von Impfkomplikationen durch dies
wahrscheinlich höher war als durch die Giftwirkung des Stichs.
Mücken
Moskitos können ihr Teil zu sehr unangenehm, schlaflos
verbrachten Nächten beitragen und vor allem Malaria
übertragen. Im Urwald treten sie bis auf die nähere
Umgebung von Sümpfen glücklicherweise nur in geringer Zahl
auf. Sehr hoch ist ihr Vorkommen an Flußufern zu Beginn der Regenzeit.
Tagsüber hat man Ruhe vor den Plagegeistern, erst in der
fortgeschrittenen Dämmerung werden sie aktiv und suchen ihre
Opfer. Nur die Weibchen saugen Blut, beim Stich wird ein
gerinnungshemmender Stoff, der den Schmerz bewirkt, eingespritzt. Der
juckende Reiz hält einige Stunden an, was aber die Nachtruhe
empfindlich stören kann. Bevorzugt stechen Mücken in gut
durchblutete Körperteile mit dünner Haut, die leider
häufig auch am dichtesten von Nervenenden durchzogen sind. Daher
quälen Mückenstiche im Bereich der Hand besonders stark.
Der Juckreiz läßt schnell nach, wenn man Zahnpasta auf die
Stichstelle aufträgt. Die hat man fast immer zur Hand.
Unweigerlich finden sie die kleinste Öffnung im Moskitonetz, das
man lieber etwas größer wählen sollte. Öfter
dreht man sich im Schlaf, ein Hautbereich liegt dem Netz an und
lädt die hungrigen Moskitos zum Nachtmahl ein. Daher lohnt es
sich, feste Handschuhe mitzunehmen und nachts anzuziehen.
Wegen drohender Malariagefahr ist weitestmögliche Verhütung
von Mückenstichen nötig. Glücklicherweise lassen sich
die Moskitos sehr gut mit den gängigen Einreibemitteln, den
sogenannten Repellents, wie Autan, Bonomol und andere fernhalten. Je
höher der DEET-Anteil, desto effektiver der Schutz. Bloß
nie in die Schleimhäute an Nase, Auge, Mund, Geschlechtsorgane
bringen! Das brennt
teuflisch.
Kriebelmücken, Phlebotomen und mehr:
Besonders nachmittags wird man in sumpfiger Wassernähe von
winzig kleinen "Mut Mut" Mücken attackiert, die in
Bodenhöhe fliegen und bevorzugt in die dünne Haut der Waden
stechen. Da ihre Stiche erst nach einiger Zeit, dafür aber noch
wochenlang heftig jucken, darf man im Lager nicht mit
entblößten Beinen laufen.
Die aufgekratzten Wunden dienen als Eintrittspforten für
gefährliche Keime, wie Gasbrand und zerstörerische
Streptokokken, und infizieren sich sehr schnell und können zu
lebensbedrohlichen Krankheitsbildern führen.
Auch zum Schutz vor Sandflöhen, die ihre Eier unter die Hornhaut
der Füße legen, und vor Grubenwürmern empfiehlt es
sich, im Lager Socken zu tragen. Sandmücken übertragen
selbst in Südeuropa, vor allem aber in Nordafrika und im Orient
die sich als Aleppo-Beule manifestierende Haut- oder als
Allgemeinerkrankung auftretende Viscerale Leishmaniose, aber auch
quälende Viruserkrankungen, wie kürzlich bei mehreren
Deutschen in der Toskana. Klangvolle Namen wie
Pappataci-Fieber braucht man nicht unbedingt zu tragen.
Blutegel leben in stehenden Gewässern, von ihnen geht für
Menschen aber kaum eine Gefährdung aus. Trotz teilweise
stundenlangen Watens in kleinen Bächen oder Sümpfen wurde
niemals ein Teilnehmer meiner Savannen- und Urwaldreisen befallen.
RvM - mehr finden Sie in meinem Buch Bongo,
Büffel, Sitatunga! |