Praxistips

Sonnenschutz

Strahlblauer Himmel


Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors!

 

Gemütlich räkelt sich Wilhelm zwischen den Felsen. Der weite Blick ins Land ist ein Hochgenuß nach den vergangenen bienenfleißigen Wochen im Büro. Nun will er das Beste aus der Einladung zur Gamsjagd machen und mehrere Tage in der Natur genießen. Im Herbst ist es in der Höhe von 2.500 Metern angenehm kühl, er zieht die Jacke dichter an den Körper. Leider machen sich die Gams rar - aber das wird sich gegen Nachmittag sicher ändern.
Als er im Rucksack nach der Brotzeit kramt, rutscht ihm eine Tube Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 21 entgegen. Die hat ihm die Gnädige Frau noch eingesteckt und ermahnt, sich unbedingt einzucremen. Insgeheim stöhnt der Jägersmann, folgt aber dem Rat der Herzallerliebsten. Wenn sie ihn schon einige Tage in die Berge ziehen läßt, dann soll sie dabei ihren Willen haben.
Am Abend ist Wilhelm dankbar für den mit Nachdruck erteilten Rat, sein Gesicht macht einem Indianer Ehre, es ist hochrot und bei jeder Grimasse spannt die Haut stark. Nun aber schnell noch einmal dick Heilsalbe drauf und ein Dank zur Liebsten für die Sonnencreme!

Die kleine Geschichte verdeutlicht die Gefahr durch die Sonnenstrahlen. Besonders in der Höhe kann man sich schwerste Verbrennung zuziehen, da man in der kühlen Luft kein Warnsignal verspürt. Dazu kommt eine erhebliche Verstärkung der Strahlendosis, da je 300 Höhenmetern die Intensität des UV-Lichtes um 4 Prozent steigt. Die dünnere Luft läßt mehr UV-Strahlen durch. In 2.000 Meter Höhe beträgt die kosmische Strahlung im Vergleich zum Meeresniveau das Doppelte.
Neuschnee steigert diese Dosis noch einmal, da er 85 bis 100 Prozent des UV-Lichtes reflektiert, Sand und heller Fels 20 bis 25 Prozent. Angler oder Urlauber am Wasser sind ähnlich gefährdet, hier wird abhängig vom Einstrahlungswinkel gegen Mittag fast 100 Prozent wieder zurückgestrahlt.
Kommt noch Schweiß hinzu, wirken die kleinen Tropfen wie eine Lupe bündelnd auf die Strahlen und erzielen eine Verstärkung der Dosis. Bei starker Sonneneinstrahlung ist auch ein besonderer Schutz für die Augen nötig. Die Augen müssen mit einer guten Sonnenbrille mit starker Tönung
behütet werden, da die im vorderen Augenabschnitt liegende Linse empfindlich auf UV Licht ist und bei hoher Belastung im Lauf der Jahre eintrübt. Grauer Star tritt bei Personen, die viel in der Sonne waren häufiger auf.

Die sonnenverbrannte Haut kann durch häufige Reizungen nach vielen Jahren Hautkrebs entwickeln. Da die schützende Ozonschicht leider immer dünner wird, oder in einigen Regionen wie in Australien fast völlig fehlt, muß man unbedingt vorbeugen und besonders bei Bergtouren ein Präparat mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen.
Man unterscheidet UV Strahlen B in einer Wellenlänge von 280 bis 320 Nanometern, die zwischen 10 und 14 Uhr am stärksten sind, von UV Strahlen A mit einer Wellenlänge über 320 Nanometern, die im Tagesverlauf kaum schwanken.
Bisher achtete man hauptsächlich auf Schutz vor UV B, inzwischen ist bekannt, daß UV A verantwortlich ist für die lästige Sonnenakne, auch medizinisch als "Polymorphe Lichtdermatose" bezeichnet. Sie tritt vor allem beim ersten Sonnen im Jahr in rund 15 Prozent auf. Die Frauen erkranken wegen ihrer etwas dünneren Haut in dreiviertel der Erkrankungsfälle.
Die Anatomie verät die gefährdeten Stellen blanker Haut für den Sonnenbrand:
Hervorstehende Körperteile, wie Nase, Ohren, Wangen, Brustbeinansatz, Hüften, Knie und Fußrücken erhalten die höchste Bestrahlung. Hier muß man auf jeden Fall einen Sonnenschutz auftragen. Dieser sollte bei Bergtouren mit dem höchstmöglichen Lichtschutzfaktor versehen sein. Er gibt an, wievielmal länger man nach dem Auftragen des Lichtschutzmittels bis zum Auftreten von Verbrennungserscheinungen in der Sonne bleiben kann als ungeschützt. Somit kann man mit einer Creme, die Lichtschutzfaktor 21 aufweist, einundzwanzigmal länger als ohne Mittel in der Sonne sein, bevor man rote Haut bekommt. Da ein blaßgesichtiger Mitteleuropäer ungefähr nach
zwanzig Minuten starken Sonnenscheins erste Hautreizungen zeigt, kann man also satte 7 Stunden draußen bleiben.

Aufpassen muß man beim Auftragen von Insektenschutz. Die sogenannten Repellents enthalten den hochwirksamen Stoff DEET - Diethyltoluamid. Der hält zwar zuverlässig Mücken und blinde Fliegen, Bremsen und alles mögliche Ungeziefer fern, neutralisiert aber den Lichtschutzfaktor um ein Drittel - selbst wenn 1 ½ Stunden zwischen dem Auftragen beider Substanzen liegen.

Aber nicht nur die Verbrennung der Haut droht, auch innere Auswirkungen können gesundheitliche Schäden hervorrufen: So kann längere intensive Sonneneinwirkung auf den Kopf und den Nacken bei dünnem Haar zu einer Reizung der Hirnhäute und des Gehirns führen. Kleine Blutgefäßen werden durchlässiger und erlauben dadurch den Austritt von Serum ins Gewebe. Diese Ödeme und kleinen Blutungen führen zu einer reaktiven Erhöhung des Hirndruckes mit zum Teil schweren Krankheitsbildern. Zu Beginn wird über starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, begleitet von Schwindel und Nackensteifigkeit geklagt. Später könne Krämpfe Schäden setzen.

Als Erstmaßnahme lagert man akut Erkrankte im Schatten mit leicht erhöhtem Kopf. Man soll die Körpertemperatur von Kopf und Nacken schonend mit der Verdunstungskühle nasser Tücher senken. Die stän-dige Kontrolle von Puls und Atmung ist unumgänglich, da noch nach Stunden Krampfanfälle drohen. Kinder sind unbedingt länger zu beobachten.
Allerdings braucht man den früher für unumgänglich geltenden Tropenhelm nicht aus der Mottenkiste zu holen. Eine leichte Kopfbedeckung tut es auch.

 
Gefährlich wird es beim Sonnenstich, der besonders in warmen Breitengraden mit hoher Luftfeuchtigkeit infolge einer Überhitzung des Körpers durch eine unzureichende Wärmeabgabe auftritt. Die Körpertemperatur liegt normalerweise um 37 Grad Celsius. Bei Muskelarbeit wird die überschüssige Wärme zu 65 Prozent durch Ausstrahlung von Wärme und zu 25 Prozent durch
Wasserverdunstung und lediglich zu 10 Prozent durch Wärmeleitung durch bekleidete Körperteile abgegeben. Dabei ist der Kopf das wichtigste Organ, über ihn werden rund 80 Prozent der Wärme abgeführt. Also führen Kopfbedeckungen eher zu Wärmestau und damit zu einer Verringerung der Leistungsfähigkeit.
Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und hohem Lebensalter sind am ehesten anfällig für einen Hitzestau mit einer Erhöhung der Körpertemperatur über 40 Grad.
Hat der Patient eine trockene, heiße und rote Haut, Teilnahmslosigkeit oder Erregungszustände, sowie Flimmern vor den Augen ist ein Hitzschlag im Beginn. Kommt es noch zu erhöhtem Blutdruck bei beschleunigter Atmung und schnellerem Pulsschlag muß man eingreifen.
Dieses sogenannte " Rote Stadium" kann übergehen in das gefährliche "Graue Stadium". Nun ist die Haut blaß und trocken, es treten Bewußtseinsstörungen auf, die Atmung wird unregelmäßig, der Blutdruck fällt ab, Krampfanfälle mit dem Übergang zu Bewußtlosigkeit können folgen.
Die Behandlung kann auch vom Laien begonnen werden, indem man für eine sofortige Beendigung des Hitzestaus sorgt, indem man den Erkrankten in Schatten legt und den Oberkörper frei und naß macht, sowie durch Fächeln die Verdunstungskälte nutzt, um die Körpertemperatur zu senken.