|
Gemütlich räkelt sich Wilhelm zwischen den Felsen. Der
weite Blick ins Land ist ein Hochgenuß nach den vergangenen
bienenfleißigen Wochen im Büro. Nun will er das Beste aus
der Einladung zur Gamsjagd machen und mehrere Tage in der Natur
genießen. Im Herbst ist es in der Höhe von 2.500 Metern
angenehm kühl, er zieht die Jacke dichter an den Körper.
Leider machen sich die Gams rar - aber das wird sich gegen Nachmittag
sicher ändern.
Als er im Rucksack nach der Brotzeit kramt, rutscht ihm eine Tube
Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 21 entgegen. Die hat ihm die
Gnädige Frau noch eingesteckt und ermahnt, sich unbedingt
einzucremen. Insgeheim stöhnt der Jägersmann, folgt aber
dem Rat der Herzallerliebsten. Wenn sie ihn schon einige Tage in die
Berge ziehen läßt, dann soll sie dabei ihren Willen haben.
Am Abend ist Wilhelm dankbar für den mit Nachdruck erteilten
Rat, sein Gesicht macht einem Indianer Ehre, es ist hochrot und bei
jeder Grimasse spannt die Haut stark. Nun aber schnell noch einmal
dick Heilsalbe drauf und ein Dank zur Liebsten für die Sonnencreme!
Die kleine Geschichte verdeutlicht die Gefahr durch die
Sonnenstrahlen. Besonders in der Höhe kann man sich schwerste
Verbrennung zuziehen, da man in der kühlen Luft kein Warnsignal
verspürt. Dazu kommt eine erhebliche Verstärkung der
Strahlendosis, da je 300 Höhenmetern die Intensität des
UV-Lichtes um 4 Prozent steigt. Die dünnere Luft läßt
mehr UV-Strahlen durch. In 2.000 Meter Höhe beträgt die
kosmische Strahlung im Vergleich zum Meeresniveau das Doppelte.
Neuschnee steigert diese Dosis noch einmal, da er 85 bis 100 Prozent
des UV-Lichtes reflektiert, Sand und heller Fels 20 bis 25 Prozent.
Angler oder Urlauber am Wasser sind ähnlich gefährdet, hier
wird abhängig vom Einstrahlungswinkel gegen Mittag fast 100
Prozent wieder zurückgestrahlt.
Kommt noch Schweiß hinzu, wirken die kleinen Tropfen wie eine
Lupe bündelnd auf die Strahlen und erzielen eine Verstärkung
der Dosis. Bei starker Sonneneinstrahlung ist auch ein besonderer
Schutz für die Augen nötig. Die Augen müssen mit einer
guten Sonnenbrille mit starker Tönung
behütet werden, da die im vorderen Augenabschnitt liegende Linse
empfindlich auf UV Licht ist und bei hoher Belastung im Lauf der
Jahre eintrübt. Grauer Star tritt bei Personen, die viel in der
Sonne waren häufiger auf.
Die sonnenverbrannte Haut kann durch häufige Reizungen nach
vielen Jahren Hautkrebs entwickeln. Da die schützende
Ozonschicht leider immer dünner wird, oder in einigen Regionen
wie in Australien fast völlig fehlt, muß man unbedingt
vorbeugen und besonders bei Bergtouren ein Präparat mit hohem
Lichtschutzfaktor auftragen.
Man unterscheidet UV Strahlen B in einer Wellenlänge von 280 bis
320 Nanometern, die zwischen 10 und 14 Uhr am stärksten sind,
von UV Strahlen A mit einer Wellenlänge über 320
Nanometern, die im Tagesverlauf kaum schwanken.
Bisher achtete man hauptsächlich auf Schutz vor UV B, inzwischen
ist bekannt, daß UV A verantwortlich ist für die
lästige Sonnenakne, auch medizinisch als "Polymorphe
Lichtdermatose" bezeichnet. Sie tritt vor allem beim ersten
Sonnen im Jahr in rund 15 Prozent auf. Die Frauen erkranken wegen
ihrer etwas dünneren Haut in dreiviertel der Erkrankungsfälle.
Die Anatomie verät die gefährdeten Stellen blanker Haut
für den Sonnenbrand:
Hervorstehende Körperteile, wie Nase, Ohren, Wangen,
Brustbeinansatz, Hüften, Knie und Fußrücken erhalten
die höchste Bestrahlung. Hier muß man auf jeden Fall einen
Sonnenschutz auftragen. Dieser sollte bei Bergtouren mit dem
höchstmöglichen Lichtschutzfaktor versehen sein. Er gibt
an, wievielmal länger man nach dem Auftragen des
Lichtschutzmittels bis zum Auftreten von Verbrennungserscheinungen in
der Sonne bleiben kann als ungeschützt. Somit kann man mit einer
Creme, die Lichtschutzfaktor 21 aufweist, einundzwanzigmal länger
als ohne Mittel in der Sonne sein, bevor man rote Haut bekommt. Da
ein blaßgesichtiger Mitteleuropäer ungefähr nach
zwanzig Minuten starken Sonnenscheins erste Hautreizungen zeigt, kann
man also satte 7 Stunden draußen bleiben.
Aufpassen muß man beim Auftragen von Insektenschutz. Die
sogenannten Repellents enthalten den hochwirksamen Stoff DEET -
Diethyltoluamid. Der hält zwar zuverlässig Mücken und
blinde Fliegen, Bremsen und alles mögliche Ungeziefer fern,
neutralisiert aber den Lichtschutzfaktor um ein Drittel - selbst wenn
1 ½ Stunden zwischen dem Auftragen beider Substanzen liegen.
Aber nicht nur die Verbrennung der Haut droht, auch innere
Auswirkungen können gesundheitliche Schäden hervorrufen: So
kann längere intensive Sonneneinwirkung auf den Kopf und den
Nacken bei dünnem Haar zu einer Reizung der Hirnhäute und
des Gehirns führen. Kleine Blutgefäßen werden
durchlässiger und erlauben dadurch den Austritt von Serum ins
Gewebe. Diese Ödeme und kleinen Blutungen führen zu einer
reaktiven Erhöhung des Hirndruckes mit zum Teil schweren
Krankheitsbildern. Zu Beginn wird über starke Kopfschmerzen,
Übelkeit und Erbrechen, begleitet von Schwindel und
Nackensteifigkeit geklagt. Später könne Krämpfe
Schäden setzen.
Als Erstmaßnahme lagert man akut Erkrankte im Schatten mit
leicht erhöhtem Kopf. Man soll die Körpertemperatur von
Kopf und Nacken schonend mit der Verdunstungskühle nasser
Tücher senken. Die stän-dige Kontrolle von Puls und Atmung
ist unumgänglich, da noch nach Stunden Krampfanfälle
drohen. Kinder sind unbedingt länger zu beobachten.
Allerdings braucht man den früher für unumgänglich
geltenden Tropenhelm nicht aus der Mottenkiste zu holen. Eine leichte
Kopfbedeckung tut es auch.
Gefährlich wird es beim Sonnenstich, der besonders in warmen
Breitengraden mit hoher Luftfeuchtigkeit infolge einer
Überhitzung des Körpers durch eine unzureichende
Wärmeabgabe auftritt. Die Körpertemperatur liegt
normalerweise um 37 Grad Celsius. Bei Muskelarbeit wird die
überschüssige Wärme zu 65 Prozent durch Ausstrahlung
von Wärme und zu 25 Prozent durch
Wasserverdunstung und lediglich zu 10 Prozent durch Wärmeleitung
durch bekleidete Körperteile abgegeben. Dabei ist der Kopf das
wichtigste Organ, über ihn werden rund 80 Prozent der Wärme
abgeführt. Also führen Kopfbedeckungen eher zu
Wärmestau und damit zu einer Verringerung der Leistungsfähigkeit.
Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und hohem
Lebensalter sind am ehesten anfällig für einen Hitzestau
mit einer Erhöhung der Körpertemperatur über 40 Grad.
Hat der Patient eine trockene, heiße und rote Haut,
Teilnahmslosigkeit oder Erregungszustände, sowie Flimmern vor
den Augen ist ein Hitzschlag im Beginn. Kommt es noch zu erhöhtem
Blutdruck bei beschleunigter Atmung und schnellerem Pulsschlag
muß man eingreifen.
Dieses sogenannte " Rote Stadium" kann übergehen in
das gefährliche "Graue Stadium". Nun ist die Haut
blaß und trocken, es treten Bewußtseinsstörungen
auf, die Atmung wird unregelmäßig, der Blutdruck fällt
ab, Krampfanfälle mit dem Übergang zu Bewußtlosigkeit
können folgen.
Die Behandlung kann auch vom Laien begonnen werden, indem man für
eine sofortige Beendigung des Hitzestaus sorgt, indem man den
Erkrankten in Schatten legt und den Oberkörper frei und naß
macht, sowie durch Fächeln die Verdunstungskälte nutzt, um
die Körpertemperatur zu senken.
|