Gesamtiste Ausrüstung '00

Tarnkappe und Co

 
Auslandsjagd steht an, erstes Mal in fremdes Land, was Packen ?

Bei gleichem Klima kann die Ausrüstung mit der bisher Getragenen weitgehend übereinstimmen. Allerdings müssen die Erfordernisse mehrtägiger Jagden aus Camps oder zusätzliche Anforderungen wie Reitausflüge, steile Berge, Dauerregen und einiges mehr berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt die sogenannte Zwiebelschalen-Regel: Wie bei einer Zwiebel liegen mehrere Schalen von Kleidung übereinander und wärmen durch die dazwischen eingeschlossene Luft verstärkt.
Je nach Anforderung legt man eine Schale an- oder ab. Mehrere Materialien in einem Kleidungsstück zu kombinieren empfiehlt sich nicht. Gewicht ist bei Flugreisen und bei Bergjagd ein wesentliches Auswahlkriterium, daher fallen meistens militärische Ausrüstungsstücke weg.
Auf die Haut gehört ein atmungsaktives Gewebe aus Polypropylen-Faser, das wasserabweisend kaum Wasser aufnimmt und dieses durch die Körperwärme nach außen ableitet. Als Netz gestrickt wirkt es nochmals besser bei schweißtreibenden Anstrengungen. Wichtig ist, die Haut nicht durch nasse Unterkleidung in Ruhephasen auskühlen zu lassen- sonst ist der grippale Infekt ziemlich sicher.

Wolle nimmt 1.600 Prozent Wasser ins Gewebe auf, Baumwolle 800 Prozent, Polyester nur noch 40 Prozent und Meraklon als weiterentwickelte Polypropylenfaser lediglich fünf Prozent.
Als nächste Zwiebelschale folgt ein leichtes Hemd, dann bei stärkerer Kälte eine Weste aus Wolle oder besser Fleece. Diese hat den Vorteil, daß der wärmebedürftige Körperstamm und die empfindlichen Nierenpartien geschützt sind, man sie auch offen tragen kann und nur bei Bedarf zuknöpft. Somit ist sie nach vorn und durch die Ärmellöcher sehr luftig, wärmt aber angenehm.
Als weitere Zwiebelschale folgen Jacke und weite Hose aus Fleece, einem flauschigem, weichem und vor allem sehr atmungsaktivem, locker in Schlingen gewebtem Polyester mit hoher Luftdurchlässigkeit. Somit staut sich die von der Haut aufsteigende Schweißwolke nicht unter der
Kleidung, was ein deutliches Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit zur Folge hätte.
Stehen stundenlangen Ritte an, verhindert Fleece direkt auf der Haut Wundreiben.
Stehen gemütliche Jagden an, spricht natürlich nichts gegen Loden, jedoch ist er bei weitem nicht so atmungsaktiv wie das sehr leichte und sehr ausgeprägt wasserabweisende Fleece, das nach leichtem Regen an der Luft schneller abtrocknet.
Ist Regen zu erwarten, muß als äußere Zwiebelschale ein atmungsaktives Gewebe her.
Leider ist die Dampf-Durchlässigkeit der feinen Mikroporen, die Wassertropfen nicht durchlassen, Wasserdampf aber passieren lassen, sehr begrenzt, so daß bei starkem Schwitzen sich doch Wärme und Feuchtigkeit stauen. Zwar kondensiert die Feuchtigkeit nicht so massiv wie bei einem Nylon-Poncho, feucht wird die Unterkleidung bei Anstrengungen aber auch.
Bei geringer körperlicher Aktivität erfüllen die atmungsaktiven Gewebe wie GoreTex, Sympatex oder speziell behandeltes mikroperforiertes Nylon aber gut ihren Zweck.
GoreTex, Sympatex und ähnliche hauchdünne Membranen können fast nur als Futter verarbeitet werden. Das hat den Nachteil, daß die Obergewebe naß werden bei längerem Einsatz an den Umschlagstellen wie Ärmellöchern und Hüften Feuchtigkeit nach innen kriecht. Hat man mehrtägige Jagden im Regen vor sich und abends keine Möglichkeit zum Trocknen, wird bald auch die Unterkleidung hoffnungslos naß. Da empfehlen sich mikroperforierte Nylon-Membranen. Sie haben auch bei Bergjagden dank ihres geringen Gewichtes große Vorteile, im Wald hingegen wegen eines hohen Rauscheffektes Nachteile.

Auslandsjagd verlangt auch Flexibilität bei der Farbe der Kleidung. In vielen Ländern existiert kaum Deckung und Tarnung ist nötig. Schalenwild wie auch Hunde- und Katzenartige haben nur zehn Prozent der für das Farbensehen nötigen Zapfenzellen, die auch anders aufgebaut sind; sie können nur zweifarbig sehen, wobei eine Schwäche im mittel- bis langwelligen Bereich von Grün nach Gelb und Braun besteht, Rot nur als dunkler Schatten wahrgenommen wird. Hervorragend ist die Fähigkeit im Dämmerlicht zu sehen, Dunkelgrün wird auch noch gut erkannt, daher ist unser traditionelles Lodengrün verfehlt.
In den USA werden daher immer modischere Tarnmuster angeboten, die ihren militärischen Ursprung schon lange nicht mehr erkennen lassen. Der Unterschied im Wildverhalten bei Tarnmustern ist frappant, es schaut quasi durch den Jäger hindurch, die verräterische pfahlartige Silhouette ist aufgelöst. Offene Landschaften wie in Schottland oder in Steppen verlangen förmlich diese Tarnung zum Jagderfolg. Auch in den Länder des südlichen Afrikas wie Simbabwe, die militärische Tarnkleidung verbieten, kann man die neuen, modischen Tarnmuster Amerikas wie Advantage, Mirage, Bushlan und ASAT tragen. ASAT wird aus einem sehr weiten Netzwerk brauner, schwarzer und beiger Striche vor khakifarbenem Hintergrund gebildet, Advantage bildet naturgetreu Ahornblätter mit braunen Ästen auf fahlem Grund ab.
Bushlan bildet wirklichkeitsgetreu die breiten Kaktusblätter der Opuntien und anderer Pflanzen der Steppen-Vegetation der US-Südstaaten ab.

Doch nicht nur Tarnfarbe ist wichtig, Bewegungen heller Haut machen Wild sofort aufmerksam.
Beim Ansitz und besonders beim Anblick von Wild darf man nur ganz langsame Handbewegungen machen. Die verräterisch hell leuchtende Haut hat schon manches Stück Wild rechtzeitig beim Anwechseln gewarnt. Das gilt auch für das auffällige und für den Menschen typische ovale Gesicht, vor allem, wenn weder Bart noch dunkle Brille die Struktur auflockern. Ein Hut mit einer schattenwerfenden Krempe hilft deutlich, noch besser ist ein Gesichts-Schleier.

 

Bergstiefel

 
Warme Füße ohne Blasen sind ebenfalls ein Pfeiler einer schönen Jagdreise, also den Anforderungen entsprechendes Schuhwerk einlaufen und unter die Wollsocke eine dünne Polypropylensocke einkalkulieren. Zum vorherigen etappenweisen Einlaufen nasse Socken anziehen, dann weitet sich das Leder richtig.
Gummistiefel sollten immer so groß angepaßt werden, daß mit dicken Wollsocken noch bequem eine Filzsohle Platz hat. Zur Not kann man mit mehreren Lagen Zeitungspapier oder einem passend ausgeschnittenen Stück Teppichboden die Sohle isolieren und kalten Füßen Paroli bieten.

Bergstiefel :
Hier kommt es entscheidend auf Form und Qualität an, Bergstiefel sollen Fuß und Knöchel Schutz und Halt geben, ohne bei häufigen Verwindungen bergauf oder bergab die Haut aufzuscheuern.
Steiles Bergauf- und Bergabgehen beansprucht Leder und Nähte extrem, daher wird ein langlebiger Bergstiefel am besten aus einem Lederstück gefertigt. Falls die Schafthöhe nicht ausreicht, ergänzt man mit wasserfesten, bis zum Knie reichenden Gamaschen. Sie sind fast immer ein sehr sinnvolles Zubehör und ergänzen bei vielen Jagden die Ausrüstung optimal.

 

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