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Rund um die
Zecke - Die Texte sind nur zur privaten Verwendung bestimmt, das Copyright liegt beim Autor Dr. Reinald von Meurers. Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Autors! |
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Lyme-Erkrankung - Borreliose, Exot oder häufiger
in Deutschland?
Lyme-Borreliose, so wird eine Erkrankung durch
Zeckenstich bezeichnet, bei dem Schrauben-Bakterien eines bestimmten
Typs die Ursache sind. Es ist eine typische Zoonose, das bedeutet die
Krankheitserreger leben in Tieren, von denen sie auf den Menschen
übertragen werden. Wie äußert sich die Lyme-Borreliose? Die Erreger der Lyme-Krankheit sind Borrelia-Bakterien, die eine ähnliche Struktur wie Syphilis-Bakterien haben. Auch die Erkrankung weist mit vier nacheinander ablaufenden Stadien Ähnlichkeit zu dieser Infektion auf. Personen, die häufiger von Zecken gebissen werden, entwickeln eine teilweise Unempfindlichkeit - Immunität. So wurde im Niedersächsischen Forstdienst auf 868 Bisse nur eine Infektion beobachtet. Also mußten fünfzehnmal mehr Bisse als bei der Normalbevölkerung vorgefallen sein, um eine Erkrankung zu bewirken. Erkrankungszeichen: Zwischen Zeckenstich und erstem Auftreten von Erscheinungen liegen zwischen zwei und dreißig Tagen. Bei mehr als der Hälfte der Fälle bildet sich eine handtellergroße Hautrötung an der Bißstelle, die im Fachchinesisch der Mediziner "Erythema chronicum migrans" im Stadium Eins genannt wird. Diese ausgedehnte Hautrötung blaßt ganz typisch in der Mitte ab und dehnt sich ringförmig um die Bißstelle nach außen aus. In der Folge können sich grippeähnliche Beschwerden mit Fieber und Gliederschmerzen im Stadium Zwei zeigen. Im Stadium Drei können dann je nach befallenem Organ folgende Erkrankungen auftreten:
Im Stadium Vier können die Haut, mehrere Gelenke, Rückenmark
und das Gehirn mit einer Vielzahl von Störungen betroffen werden. Wichtig ist gegebenenfalls der Rat eines Fachmanns, hier sind in der Bundesrepublik vom Robert Koch Institut 10963 Berlin, Stresemannstr. 90 (ehemals Bundesgesundheitsamt) folgende Referenz- und Konsiliar-Labors benannt worden. Das sind auf besondere Krankheiten spezialisierte Labors für diffizile Fälle, die auch allgemeine Beratungen von anderseits erbrachten Labor-Untersuchungen geben.
Krankheiten durch Zecken:
a) Bakterielle Infektionen wie Borrelien :
b) FSME - "Zeckenbiß-Krankheit" durch FSME-Virus:
Es ist manchmal sinnvoll, diese Referenz-Labors mit der
Blutuntersuchung zu beauftragen. Wenn sie es annehmen! Zecken-Biß, oder korrekter ausgedrückt Zecken-Stich - was nun? Die Art der Zeckenentfernung ist entscheidend für den Grad der Aufnahme von Borrelien in den menschlichen Körper. Nur eine gewisse Zahl von Erregern kann den Körper krankmachen, kleinere Mengen werden von den körpereigenen Abwehrstoffen vernichtet. Früher gegebene Tips wie Bestreichen der ganzen Zecke mit Nagellack, Kleber und Öl sowie langsames Drehen im Uhrzeigersinn sind unsinnig, da bei diesen Methoden in Stunden langsam absterbende Zecke im Todeskampf ihren Speichel und damit eine hohe Bakterienzahl durch ihre Mundwerkzeuge in die menschliche Haut spritzt und dadurch erst eine Infektion ermöglicht. Die Krankheitserreger leben im Mitteldarm der Zecke und gelangen erst 12 - 24 Stunden nach dem Stich in den Speichel und damit in den Blutkreislauf des Opfers. Also raus mit dem Parasit. Erkrankungen von Hunden Der wertvolle Jagdhund ist in weit höherem Maße als der Mensch durch eine von den tiefsitzenden Zecken übertragene Krankheit gefährdet. Es ist also sinnvoll, ihn in der warmen Zeit durch ein Insektizid-Halsband zu schützen. In Berlin wurden bei der Untersuchung von 189 Hunden mit typischen rheumatischen Beschwerden in rund zehn Prozent im Bluttest eine Borrelien-Infektion bestätigt. In den amerikanischen Herdgebieten der Lyme-Krankheit sind 30 - 70 Prozent der Hunde mit Borrelien infiziert, es wurden dort 271 Beschreibungen des Krankheitsbildes bei Hunden veröffentlicht. Wie beim Menschen überwiegen unspezifische Zeichen wie in 44 Prozent eine Erhöhung der Körpertemperatur auf mehr als 39,5 Prozent, Mattigkeit in 29 und Appetitlosigkeit in 53 Prozent. Wie auch beim Menschen zeigt sich die Erkrankung im Spätstadium hauptsächlich an den Gelenken. Die Lahmheit tritt plötzlich unter Schwellung, örtlicher Temperaturerhöhung und Druckschmerzhaftigkeit auf. Meist sind mehrere Gelenke befallen. Die Krankheit verläuft oft in wiederkehrenden Schüben, die im Mittel 11 Monate andauern. Die Halter der Hunde waren nicht stärker gefährdet, an der Lyme-Krankheit zu erkranken als andere Personen im gleichen Gebiet. Die Lyme Krankheit ist nicht nur auf Menschen und Hunde beschränkt, sondern befällt auch Rinder, Schafe und Pferde. Die Therapie wird wie beim Menschen mit Doxycyclin vorgenommen. Die Gefährdung durch Zecken ist hundertmal häufiger in feuchten, sauren Waldböden als in trockenem Buchenwald. Saure, feuchte Waldböden beherbergen bis zu hundertfünfzig infizierte Schildzecken -Ixodes ricinum pro tausend Quadratmeter, trockene Buchenwälder jedoch nur 1,4 mit Spirochäten infizierte Zecken. Im Jahr 1982 waren in der Schweiz rund ein Drittel, in Österreich zwischen vier und vierzig Prozent, in Nordrhein-Westfalen sechzehn Prozent und in Schweden fünfzehn Prozent der Zecken von Borrelien befallen. Diese Zahlen zeigen die Gefährdung durch Zeckenbisse. Ausland Nur ein Teil der unter Tick Fever auf Zeckenbisse zurückgeführten Erkrankungen im südlichen Afrika ist durch Borrelien bedingt. Der überwiegende Teil der Erreger gehört zur Gruppe Rickettsien, die das afrikanische Fleckfieber bedingen. Ein Hauptüberträger dieses Bakteriums ist übrigens die braune Hundezecke! Allerdings ist die Unterscheidung von akademischen Interesse, da die Therapie mit dem Antibiotikum Doxycyclin sowohl bei der Lyme Krankheit als auch bei den Rickettsiosen erfolgreich ist. Gelegentlich wird zur Zeckenabwehr das Besprühen der Kleidung mit synthetischen Pyrethroiden empfohlen. Pyrethroide sind chemisch den aus Chrysanthemen-Blüten extrahierten Pyrethrinen nachgebildet und werden als "Naturprodukte" vom Laien in die Rubrik unschädlich eingestuft. Diesen Insektiziden steht man inzwischen sehr reserviert gegenüber, da sie über die Haut - und verstärkt bei schweißnasser Haut - resorbiert werden können und sich dann im Nervengewebe anlagern. Ich empfehle nach dieser Information also das vorbeugende Besprühen von direkt auf der Haut getragener Kleidung nicht. Wichtig sind lange Hosen, dicht abschließende Wickelgamaschen. Durch Hauteinreibungen mit Repellents kann man sich nur begrenzt vor den Krabbeltieren schützen. Eine ganze Reihe bisher ungeklärter rheumatischer Erkrankungen können als Spätstadium der Lyme-Borreliose in Frage kommen. Dies bestätigte eine Studie aus dem nordbadischen Raum vom Hygiene Institut der Universität Heidelberg. Es wurde die Durchseuchung der Bevölkerung und die Beschwerderate zweier Ortsteile der Stadt Kraichtal analysiert, wobei 1.228 der 2.928 Einwohner untersucht wurden. Rund 17 Prozent der Blutproben zeigten die für die Borrelien typischen Reaktionen. Besonders auffällig war der direkte Zusammenhang zwischen dem Nachweis eines Borrelienbefalls und einer ganzen Reihe bisher ungeklärter rheumatischer Beschwerden. So waren dort entzündliche Gelenkerkrankungen bei 34,3 Prozent gegenüber nur 9,3 Prozent bei Personen ohne Borrelienkontakt nachzuweisen. Auch bei Gelenkschmerzen war das Verhältnis 23,4 zu 13,3 Prozent, bei Nervenstörungen der Muskelbewegung 12 zu vier Prozent, bei Nervenstörungen der Empfindungswahrnehmung 25,4 zu 6,7 Prozent. Sogar bei Herzrhythmus-Störungen war der Unterschied von 19,8 Prozent der Personen mit spezifischen Eiweißkörpern als Nachweis eines Borrelienbefalls gegenüber nur drei Prozent der Untersuchten ohne Borrelienkontakt ganz deutlich. Der Kraichgau gehört zu den wärmsten Regionen der Bundesrepublik und besteht aus einem gemischten Biotop mit nur 17 Prozent Wald. Dieser wurzelt auf einem trockenen Lößboden und besteht meist aus Buchen, was der herrschenden Lehrmeinung von dem für Zecken idealen feuchten, schattigen Krautbiotop entgegensteht. Nach meinen Beobachtungen gedeihen auch in den Subtropen und Tropen Zecken sehr gut in trockenen, mit Büschen durchwachsenen Steppenregionen. Während des Untersuchungszeitraums von 1987 bis 1990 wurden insgesamt 64 Neuerkrankungen erkannt. Von diesen wiesen lediglich dreißig Prozent die "typischen" Zeichen der ringförmigen, wandernden Hautrötung " Erythema migrans " um die Bißstelle auf. Die anderen zwei Drittel der Patienten hatten unklare Störungen des Allgemeinbefindens wie Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme, Kopfschmerz und andere nicht auf eine zeckenbedingte Erkrankung hinweisende Symptome. Selbst bei chronischen, schon lange bestehenden Verläufen war die antibiotische Behandlung mit Cefotaxim überwiegend erfolgreich und beseitigte die Beschwerden. Im ersten Stadium genügt die Behandlung mit 200 Milligramm Doxycyclin über 21 Tage. Bei fortgeschrittenem Stadium oder Befall des Nervengewebes werden zwei Gramm Ceftriaxon intravenös über 21 Tage verabreicht. Reisende nach Afrika werden sehr häufig von einer hochfieberhaften Erkrankung befallen, die im Volksmund "Tick Fever" genannt wird. Ein Rückfallfieber, das mehrere Erreger als Ursache hat. Nun fand auch eine französische Untersuchung in Afrika eine spezielle Zecken-bedingte Borreliose. So ist das Rückfallfieber in der Sahara und den angrenzenden Staaten verursacht durch die Spirochäte Borrelia crocidurae, übertragen durch die Zecke Alectorobius sonrai. Zwei Jahre Forschung in einer ländlichen Gemeinde der Savannenregion Senegals ergaben bei zehn Prozent der Bevölkerung eine Infektion während der Studie! Die Zecke A. sonrai und die Bakterie B. crocidurae fanden sich häufig bei 1.197 Eseln und 2.531 Kleintieren. Das Verbreitungsareal hat sich gegenüber früheren Analysen weit nach Süden vergrößert, angeschuldigt wird die Sahel-Dürre. Antibiotikagabe nach Zeckenstich? Die Frage, "Sollte man sich nach einem Zeckenbiß vorbeugend ein Medikament einnehmen, um eine Borreliose zu vermeiden?" wird häufig gestellt, besonders, wenn es öfter zu Zeckenstichen kommt. Nun gilt aber in der Medizin, daß man dem Patienten nicht schaden solle, und Medikamente haben erwünschte Wirkungen, aber auch unerwünschte Nebenwirkungen, abgesehen von der wirtschaftlichen Seite. Das Risiko von Komplikationen durch das vorbeugend eingenommene Medikament überwiegt , daher lautet die Antwort, daß man kein Medikament einnehmen soll, es sei denn man hat durch klinische Zeichen oder durch Labor-Nachweis die Diagnose einer Borreliose gestellt. Auch eine neuere Studie von Maiwald und anderen Autoren aus Südwestdeutschland, zeigt, daß "nur" 26,7 Prozent der von einer nachweislich infizierten Zecke gestochenen Personen symptomfrei waren und später erkrankten. Die Gesamtzahl der Erkrankungen bei 730 von einer Zecke gestochenen Patienten betrug 2,6 Prozent. Alle Zecken wurden auf Borrelien mittels PCR-Untersuchung analysiert, es waren 11,3 Prozent der Zecken infektiös. Bemerkenswert sind soeben erhaltene Zahlen aus der Tschechischen Republik zur Häufigkeit von Borreliose-Erkrankungen. Hier wurden 1995 6.302 Fälle und 1996 4.192 Fälle gemeldet, eine ziemlich hohe Erkrankungszahl bei 10,3 Millionen Einwohnern. Verglichen mit der oben zitierten Erkrankungszahl von 18 auf 100.000 Brandenburger sind das für 1995 satte 61 Fälle und 1996 immer noch 40 Borreliose-Kranke auf 100.000 Einwohner. |
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